Am Anfang war der Tod

«Dort» handelt von Schuld und Sühne: Der Debütroman des Luzerners Niko Stoifberg ist grosses Kino.

Sein Debütroman ist auch eine Herausforderung - eine gute: der 43-jährige Autor Niko Stoifberg.

Sein Debütroman ist auch eine Herausforderung - eine gute: der 43-jährige Autor Niko Stoifberg. Bild: Hendrik Dietrich

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Niko Stoifbergs Debütroman beginnt mit einer Ungeheuerlichkeit: Sebi, ein 29-jähriger Landschaftsarchitekt, stösst einen Bub in den Vierwaldstättersee, um ihn retten zu können und so die Aufmerksamkeit von Lydia, der Halbschwester, zu erregen, die das Kind begleitet. Doch es kommt anders und endet auf Seite 20 mit den Worten: «Mir wird schwarz, das Kind ist tot.»

Hier beginnt die eigentliche Geschichte. Im Verlauf der noch folgenden 308 Seiten nimmt diese die Ausmasse einer griechischen Tragödie an. Sebi und Lydia finden tatsächlich zueinander, und während er noch versucht, das Geschehene zu verarbeiten, muss er erkennen, dass ihn auch mit der Mutter des Kindes mehr verbindet, als gedacht. Ihr hat er sich unwissentlich anvertraut. Und sie lässt ihn bald darauf auf perfide Weise Busse tun. Doch das ist längst nicht alles. In Stoifbergs Debütroman tut sich um jede Ecke ein weiterer Abgrund auf, eine weitere Schicksalsverkettung. Denn auch der Knabe ist Sebi am Ende näher, als er am Anfang ahnen kann.

Thriller mit Hollywood-Qualität

In «Dort» haben alle Dreck am Stecken. Es geht um Schuld und Sühne und um vieles mehr. Stoifberg hat Germanistik studiert und seine Philosophen gelesen, das ist deutlich zu spüren. Der Luzerner Journalist und Autor verwendet für seine Geschichte eine stark rhythmisierte Sprache. Dass er das konsequent durchhält, sogar während der Dialoge, ohne dass es bemüht klänge, ist eine Leistung.

Mehr noch: «Dort» liest sich wie ein Thriller, der bis zuletzt unerwartete Wendungen nimmt. Stoifberg schafft es, dass man sich an seinen Roman erinnert, als hätte man ihn als Film gesehen. Hollywood sollte sich «Dort» mal anschauen.

Mi 20.3. — 19 Uhr
Kosmos
Lagerstr. 104
Eintritt frei
www.kosmos.ch

Erstellt: 14.02.2019, 08:40 Uhr

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