Das Holz, das lebt

Das Theater Stadelhofen bringt den Kinderbuchklassiker «Pinocchio» auf die Bühne – allerdings ohne dessen berühmte Nase.

Versuchen, Pinocchio nach einem Überfall wiederzubeleben: die beiden Ärztevögel, gespielt von Stephan Eberhard (l.) und Pascal Martinoli (r.)

Versuchen, Pinocchio nach einem Überfall wiederzubeleben: die beiden Ärztevögel, gespielt von Stephan Eberhard (l.) und Pascal Martinoli (r.) Bild: Sepp de Vries

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Die Nase wächst, wenn er lügt – es ist zweifellos Pinocchios ikonische Eigenschaft und hat die Holzpuppe aus Claudio Collodis Kinderbuch berühmt ­gemacht. Doch genau diese Nase fehlt im neuen Stück am Theater Stadelhofen.

Benno Muheim bringt die Geschichte der lebendigen Puppe gemeinsam mit Franc?oise Blancpain als zweite Hausproduktion auf die Bühne. Pinocchios Geschichte wird dabei von hinten aufgerollt. Sie beginnt nicht mit Pinocchios Vater Gepetto, der die Puppe schnitzt, sondern mit dem Schreinermeister, der nach einer 10-jährigen Suche nach seinem Sohn im Walbauch sitzt und auf den Puppenspieler und Pinocchio-Erfinder Collodi trifft.

Alles lebt

«Über das Leben in allen Dingen» ist der Untertitel des Stücks. Und der ist Programm: Denn Muheims «Pinocchio»-Inszenierung ist kein reines Puppen-, sondern vielmehr ein Objekttheater.

«Die Kinder sollen eine Überwältigung spüren.»Benno Muheim, Regisseur

So wird ein kleiner Handbesen zur Katze, ein Stoffnastuch zur Grille oder ein Messgerät mit Klemme zur Eule. Neben den beiden Schauspielern steht die Musikerin Sara Käser auf der Bühne. Sie übernimmt die Rolle der erzählenden Fee. Mit einem Cello und einem mit Moos und Ästen ­geschmückten Verstärker lässt sie den geschnitzten Pinocchio weinen oder das Holz klingen – und beseelt so die Gegenstände.

Motorsägen auf der Bühne, abgenommen von der Suva

Die Idee von Muheim und Blancpain ist es, Stücke zu schaffen, die für alle funktionieren. Ein Probenbesuch zeigt, dass dies gelingt; es verbergen sich viele Themen in der Metaebene, die das Stück auch für Erwachsene interessant machen. Doch wird es so nicht zu anspruchsvoll für die Kleinen? «Klar besteht das Risiko, dass nicht alle Kinder das Stück vollständig verstehen», sagt Muheim. «Aber wir versuchen, Bilder mit einer emotionalen Durchschlagskraft zu kreieren, die Kinder sollen eine Überwältigung spüren.» Etwa, wenn Puppenbauer und -spieler Pascal Martinoli mit der Motorsäge ein Holzstück bearbeitet. «Alles abgenommen von der Suva», versichern die Theatermacher lachend.

Bei dieser «Pinocchio»-Adaption spielt auch die Fantasie der Zuschauer eine Rolle: Der Puppe fehlt nicht nur die Nase, sie hat gar kein Gesicht. Es sei die letzte Konsequenz des Ansatzes vom Leben in allen Dingen, sagt Muheim.

Theater Stadelhofen
Stadelhoferstr.12
Sa (Premiere) 17 Uhr, So 11 Uhr und 14.30 Uhr, Mi 14.30 Uhr
Eintritt 18 Franken
Ab 7 Jahren
Bis 23.12.
www.theater-stadelhofen.ch

(Züritipp)

Erstellt: 08.12.2018, 08:45 Uhr

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