«Das ist Theater»

Mit dem Jungen Schauspielhaus inszeniert der holländische Szenograf Leo de Nijs erstmals ein Stück im Schiffbau-Foyer.

War vor seiner Arbeit im Theater Maschineningenieur: Der 67-jährige Szenograf Leo de Nijs.

War vor seiner Arbeit im Theater Maschineningenieur: Der 67-jährige Szenograf Leo de Nijs. Bild: Raphael Hadad

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Was macht das Foyer des Schiffbaus so speziell?
Durch die grossen Fenster sehen die Zuschauer, wie sich die Stadt bewegt: der Bus auf der Hardbrücke, das Tram, die vorbeigehenden Menschen. Das Foyer ist eine Verbindung zwischen Theater und Stadt. Uns war es wichtig, dass das Stück in der Gesellschaft und nicht im geschlossenen Theaterraum stattfindet.

Ein Foyer ist ja auch eine Art Übergang von der Realität in die Welt der Fiktion.
Genau, darum ging es uns auch. Das Stück beginnt bei Tageslicht und endet in der Dunkelheit. Den Zuschauern wird so das Vergehen der Zeit bewusst. Diese Zeitebene spielt auch im Stück eine zentrale Rolle: Es geht um einen einsamen Kellner, der in seinen Erinnerungen schwelgt. Der alte Mann hat sein Leben gelebt und kriegt jetzt eine Nachspielzeit.

Weshalb inszeniert das Junge Schauspielhaus ein Stück über einen alten, einsamen Mann?
Der Autor und Regisseur von «Nachspielzeit» Jan Sobrie hat über einen Toten gelesen, zu dessen Beerdigung niemand kam. Er fragte sich, was wenn ich das bin in 40 Jahren? Die junge Generation der Theaterschaffenden befasst sich nicht nur mit Zeitgeist- sondern auch Zukunftsthemen. Hinzukommt: Auch junge Leute können einsam sein.

Das Theater ist für mich eine Art Maschine.Leo de Nijs

Sie waren früher Maschineningenieur, beeinflusst Sie diese Vergangenheit in Ihrer Arbeit als Szenograf?
Ja, sehr sogar. Das Theater ist für mich eine Art Maschine und alles was sich mechanisch bewegt – vom Vorhang bis zum verstellbaren Orchestergraben – fasziniert mich. Als Szenograf versuche ich immer, den Raum dynamisch und organisch zu gestalten. Und den Tänzern viel Platz auf der Bühne zu geben, so dass sie sich wie Tänzer im Raum bewegen und ihn so ausfüllen können.

Was hat es hier im Foyer mit den vielen farbigen und gemischten Stühlen in den Zuschauerreihen auf sich?
Das Foyer hat an der Seite eine Glaswand, somit sehen alle Besucher des Schiffbaus die Tribüne. Sie soll die Leute neugierig machen und sie dazu bewegen, ins Theater zu kommen und sich mit dem Stoff zu befassen. Das Bühnenlicht befindet sich unter der ersten Zuschauerreihe, es gibt somit keine klare Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum.

Ist das Publikum also Teil des Stücks?
Für mich ja. Mir ist es wichtig, dass ich das Publikum gleichwertig behandle wie die Schauspieler. Denn ein Stück soll die Zuschauer berühren, ihnen Trost spenden, sie sollen sich aufgehoben fühlen - das ist Theater.

Di — 20.45 Uhr
Schiffbau, Foyer
Schiffbaustr. 4
Eintritt 30 Franken
Bis 30.6.
www.schauspielhaus.ch

(Züritipp)

Erstellt: 06.06.2018, 17:05 Uhr

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