Ein Theater in der Gegenwartsform

Die Gessnerallee wird 30. Zum Jubiläum ist eine Truppe eingeladen, die das Theaterhaus durch die Zeit begleitet hat.

Sechs Clowns suchen ihren Platz im Theater: «Out of Order».

Sechs Clowns suchen ihren Platz im Theater: «Out of Order». Bild: Hugo Glendinning

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Anfrage an die Gessnerallee: «Habt ihr Bildmaterial zum 30-Jahr-Jubiläum?» (Man ist mit der Gessnerallee per Du, seit den Anfängen.) Die Antwort: «Eine Sammlung von Bildern aus der Vergangenheit des Hauses haben wir leider nicht vorbereitet, aber eventuell wirst du im städtischen Archiv fündig. Siehe ‹Tagblatt› anbei.» Super, denkt man, mit einer Bildstrecke wird hier also nichts und auch nicht viel mit der Geschichte des Hauses. Was aber auch nicht schlecht ist. Denn die Gessnerallee ist immer ein Theater in der Gegenwartsform.

Am schönsten hat dieses Theaterhaus einmal Niels Ewerbeck, der künstlerische Leiter von 2004 bis 2011, charakterisiert. Er sagte, hier seien wir im falschen Film. «Seltsames soll hier passieren, denn etwas geschieht, das so eigentlich gar nicht stattfinden dürfte.» So wie an der Gessnerallee ist uns das Theater in dieser Form noch nicht begegnet.

Seltsames soll passieren können

Alle haben hier ihren eigenen Parcours durch die Geschichte des Hauses. Es gibt das den Höhenweg mit den Gastspielen von Peter Brook (Paris), Théâtre Repère (Québec), Rosas (Brüssel), Théâtre de la Complicité (London); gezeigt wurden Gastspiele von Nicolas Stemann, Thomas Ostermeier, Luc Perceval. Die Schweizer Szene hatte ihre Auftritte: mit der Off Off Bühne, Mass & Fieber und den Produktionen von Anna Huber.

Grossartige Sachen waren dabei. Wir erinnern uns an Heiner Goebbels «Stifters Dinge» oder Sebastian Nüblings «Mütter.Väter.Kinder», aber auch an «100 % Zürich» mit Rimini Protokoll.. Grossartige Sachen waren dabei. Und auch Abschiffer. Aber wie gesagt: Seltsames soll an der Gessnerallee passieren können.

Es gibt Konstanten. Doch die britische Gruppe Forced Entertainment ist mindestens einmal pro Jahr in der Gessnerallee zu sehen. Die Produktion «Out of Order» wurde jetzt extra zum Jubiläum eingeladen. Theatermässig sind Forced Entertainment so etwas wie der Mainstream der Avantgarde, seit Jahren ist das Kollektiv um Tim Etchells unterwegs.

Viele Highlights zum Jubiläum

«Wir untersuchen immer wieder neu die Beziehung zwischen Präsenz und Narration, zwischen Performer und Publikum», hat Etchells 2012 zur Werkschau an der Gessnerallee gesagt. So ist es auch in «Out of Order». Sechs Clowns suchen hier einen Platz im Theater. Sie kämpfen mit sich und bleiben ermüdet liegen.

Forced Entertainment ist zum Jubiläum nicht das einzige Plus. Auch die Performance-Künstlerin Miet Warlop war an der Gessnerallee schon oft zu Gast: mit «Mystery Magnet», «Dragging the Bone» oder «Big Bears Cry Too». Ihr neues Stück «Ghost Writer and the Broken Hand Break», das im Rahmen Der Gessnerallee-Fete gezeigt wird, bedeutet eine Rückkehr – in die Gegenwart dieses Theaters.

Do 28.11./ Fr 29.11. — 20 Uhr
Gessnerallee
Gessnerallee 8
Als 30-Jahre-Geschenk gilt freier Eintritt für die Vorstellungen von Forced Entertainment und Miet Warlop am Fr 29.11.
Freikarten nur noch an der Abendkasse
www.gessnerallee.ch

Erstellt: 28.11.2019, 17:14 Uhr

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