«Es soll spannend sein – und ein bisschen freakig»

Der Cirque du Soleil gastiert mit «Totem» in Zürich. Wir haben mit Schlangenfrau Oyuna-Erdene Senge übers Zirkusleben, Grenzen und Gene gesprochen.

Sie ist 26 und verbiegt sich seit elf Jahren für den Cirque de Soleil: Schlangenfrau Oyun (oben).

Sie ist 26 und verbiegt sich seit elf Jahren für den Cirque de Soleil: Schlangenfrau Oyun (oben).

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Mit maximalen Körperverbiegungen versetzen Sie das Publikum in Erstaunen – und manche in Entsetzen. Mögen Sie es, Leute zu erschrecken?
Ich tue es nicht, um Leute zu erschrecken. Ich möchte zeigen, was mit dem ­Körper alles möglich ist. Natürlich soll es spannend sein – und ein bisschen freakig.

Ist Kontorsion für Sie ein Sport oder eine Kunst?
Die Kontorsion ist eine der ursprünglichsten Zirkusnummern. Ich sehe sie als eine Kunst, als eine spezielle Art von Akrobatik. Als Zirkusartistin möchte ich Fähigkeiten zeigen, die einzigartig sind.

«Zum Erfolg braucht es Talent und unzählige Stunden Training.»Oyun, Schlangenfrau

Was braucht es dazu: Talent, Fleiss oder die richtigen Gene?
Mein Körper ist von Natur aus flexibel, aber Kraft und Technik erarbeitete ich mir an der Schule, die ich mit sechs Jahren begann. Ich bin aus der Mongolei, hier schicken viele Mütter ihre Mädchen zum Kontorsionsunterricht. Zum Erfolg braucht es Talent und unzählige Stunden Training. Ich denke, zu 20 Prozent ist es natürliche Beweglichkeit, zu 50 Prozent harte Arbeit und der Rest, wie dein Körper damit umgeht.

Was motiviert Sie, über Grenzen zu gehen?
Es sind die kleinen Dinge, die mich als Artistin inspirieren, wie Begegnungen im Künstleralltag oder auch die Emotionen, die ich auf der Bühne erlebe. Meine Hauptmoti­vation ist aber das Publikum. Es erlebt die Show zum ersten Mal. Ich möchte dessen Aufmerksamkeit auf mich ziehen und interagieren, dafür gebe ich immer mein Bestes.

«Ich fühle mich so, wie Sie, während Sie mir gegenübersitzen.»Oyun, Schlangenfrau

Wie geht es Ihrer Wirbelsäule dabei?
Die Leute denken, die Positionen seien schmerzvoll. Ich spüre aber nichts, mein Körper ist seit Kindheit darauf trainiert. Ich fühle mich so, wie Sie, während Sie mir gegenübersitzen.

Seit elf Jahren touren Sie mit dem Cirque du Soleil um die Welt. Was lieben Sie am Zirkusleben?
Ich habe in meinem Leben sicher schon 6000 Shows gezeigt. Noch immer ist für mich das Beste daran, dass ich weltweit für so viele verschiedene Zuschauer performen kann. In jedem Land reagiert das Publikum anders – und überrascht mich ­immer wieder von neuem.

Mi — 19.30 Uhr
Hardturmareal
Hardturmstr. 269
Eintritt 60–340 Franken
Bis 14.10.
www.cirquedusoleil.com

(Züritipp)

Erstellt: 30.08.2018, 13:03 Uhr

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