Geishas im Sihlwald

Welttheater: Das Turbine-Theater Langnau zeigt Jules Vernes «In 80 Tagen um die Welt» – mit allem Drum und Dran.

Detektiv Fix (Peter Zgraggen, l.) versucht Phileas Foggs Diener (Yves Ulrich) im Zaum zu halten.

Detektiv Fix (Peter Zgraggen, l.) versucht Phileas Foggs Diener (Yves Ulrich) im Zaum zu halten. Bild: Andre Springer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In 80 Tagen um die Welt – also bitte! Das Turbine-Theater schafft das locker in zwei Stunden. Inklusive Eisenbahnen, Dampfschiffen, Wellen, Wogen, Stürmen, Pleiten, Prozessen und Prozessionen. Dazu kommen zahllose Schauplätze zwischen Westminster, Pyramiden, Taj Mahal, Fudschijama, Rocky Mountains und Kensington. Ferner eine ganze Weltbevölkerung, geschrumpft zwar auf knapp zwei Dutzend Darsteller und Komparsen – von englischen Clubmembers über Hindupriester, Elefantentreiber, Honolulu-Girls, Geishas, Lokführer, Kapitäne, Yankees und Indianer bis hin zu diversem Getier aus Dschungel und Ozean, Wüste und Prärie. Und für alle mussten rund 140 Kostüme erstellt werden.

Was Regisseur Peter Niklaus Steiner auf die Freilichtbühne im Besuchszentrum des Wildnisparks Sihlwald stemmt, darf man in korrektem Theaterjargon also durchaus als Riesenkiste bezeichnen. Wie ist er überhaupt auf die Idee gekommen, den im Wortsinn weltumspannenden Abenteuerroman, den Jules Verne 1873 publizierte, als Bühnenspektakel zu zeigen?

Deutsche Übersetzung und gigantische Chilbi

Er sei mal auf eine Theateraufführung des Stoffs gestossen und habe dann beim Recherchieren festgestellt, dass es nicht wenige Bühnenadaptionen gebe. Daher hat sich der Theatermann entschlossen, seine eigene hochdeutsche Fassung nach der Roman­vorlage zu schreiben.

Das war zwar ein gehöriges Stück Arbeit, aber doch zu bewältigen, weil, so Steiner, «die Story relativ gradlinig verläuft». Und zwar so: Der englische Gentleman Phileas Fogg wettet mit seinen Kollegen, die Welt in 80 Tagen zu umrunden, was trotz vieler Hindernisse – unter anderem wird er irrtümlich als Bankräuber verfolgt – gelingt. Er bringt sogar eine Braut heim, die er in Indien vor der Witwenverbrennung gerettet hat.

Als Konzept hat sich Steiner eine gigantische Chilbi aus der Zeit der Belle Epoque vorgestellt: einen Jahrmarkt mit Budenzauber, Bahnen, Drehscheibe, Schaukel, Völkerschauen, Sensationen und Exotik aus aller Welt. Verständlich, dass da die heimische Sihl mal zur Themse, dann zum Nil, zum Ganges, zum Colorado River oder gar zum Atlantik mutiert. – Und das alles ist vom gedeckten Sitzplatz aus bequem zu geniessen.

Besucherzentrum Sihlwald
Alte Sihltalstr. 13
Do (Premiere)–So / Mi 20 Uhr
Eintritt 39–69 Franken
www.turbinetheater.com

(Züritipp)

Erstellt: 08.07.2018, 09:31 Uhr

Artikel zum Thema

«Soll man die Natur in Ruhe lassen?»

Der Zürcher Stephan Pörtner hat «Der Wolf im Sihlwald» geschrieben – und machte aus dem Aufführungs- auch gleich den Tatort. Mehr...

Sie spielen wie gedruckt

Das Theater Kanton Zürich bringt in der neuen Saison viele Schweizer Stoffe auf die Bühne. Aber weshalb wagt es sich nicht, Mundart zu sprechen? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

Wettermacher Warum unser Schnee trotz Wärme bleibt

Geldblog Wie der Depotcheck als Lockvogel dient

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Schöner Lärm: Ein Flugzeug fliegt in der Nähe von Pfaffhausen vor dem Supermond durch. (20. Februar 2019)
(Bild: Leserbild: Peter Schwager aus Fällanden) Mehr...