Keiner kennt Zwingli

Anna-Katharina Müller spielt in «Zwingli Wars» Ulrich Zwinglis Frau Anna. Die Schauspielerin über Zürichs Revolutionen und den Reformator in der Kunst.

Die 38-Jährige steht auf Theaterbühnen und vor der Kamera: Anna-Katharina Müller.

Die 38-Jährige steht auf Theaterbühnen und vor der Kamera: Anna-Katharina Müller. Bild: Petite Machine

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Sie spielen in «Zwingli Wars» Anna Zwingli, Ulrich Zwinglis Frau. Welche Rolle hatte sie in der Geschichte?
Es gibt sehr wenige historische Überlieferungen zu Anna Zwingli. Zwar gibt es einige Bücher, die versuchen, sich ihr anzunähern, das Meiste davon sind aber Spekulationen. Für das Stück haben wir uns diesen Umstand zu Nutzen gemacht.

Wie meinen Sie das?
Wir mussten uns bei der Figur von Anna nicht an die Fakten halten und wir konnten ihr ein grösseres Gewicht geben, als sie in der Geschichte vielleicht hatte. In unserem Stück solidarisiert sich Anna Zwingli etwa mit Frauen aus der Ostschweiz, die eine feministische Reformationsbewegung. Diese Bewegung gab es, aber ob Anna Zwingli etwas damit zu tun hatte, ist nicht bekannt.

«Es geht uns nicht darum, Zwingli nur als Helden darzustellen.»Anna-Katharina Müller

Im Jubiläumsjahr der Reformation gibt es eine Vielzahl an Stücken, die sich mit Zwingli beschäftigen. Was ist anders an «Zwingli Wars»?
Wir setzen bei den Täufern an und stellen Zwinglis Konkurrenten in den Mittelpunkt. Das Stück dreht sich um die Beziehung zwischen Ulrich Zwingli und Felix Mantz. Dass sich die beiden kannten, ist historisch bestätigt: Sie waren zuerst gleichgesinnt, doch irgendwann wurde Mantz in seinen Ansichten viel radikaler als Zwingli. Auch geht es uns nicht darum, Zwingli nur als Helden darzustellen.

Teaser für das Stück «Zwingli Wars». Video: Vimeo/ZwingliWars

Zudem spielt das Stück nicht nur in der Reformationszeit, sondern auch in der Gegenwart.
Genau. Es geht auch um Revolution in Zürich im Allgemeinen. Es gibt ja eine Tradtion der Revolutionen in der Stadt: der Globuskrawall etwa oder die Revolutionen der AJZ in den Achtzigern. «Zwingli Wars» ist auch ein Züri-Stück.

«Zwingli war bis zu diesem Jahr kaum Thema in der Kunst.»Anna-Katharina Müller

Im Vorfeld des Stücks haben Sie eine Strassenumfrage zu Zwingli gemacht. Nur wenige scheinen zu wissen, wer er war. Hat Sie das überrascht?
Ja, das hat mich sehr überrascht! Ich habe auch andere Umfragen gesehen und bei diesen war das Resultat ähnlich. Ein Grund könnte vielleicht sein, dass Zwingli bislang, wenn überhaupt, Thema im Schulunterricht war, aber bis zu diesem Jahr kaum in der Kunst. Ich selbst kannte vor dem Projekt auch nur die groben Eckdaten zu Zwingli und erst jetzt, nachdem ich mich intensiver mit der Geschichte auseinandergesetzt habe, verstehe ich die Zusammenhänge. Die Reformation ist heute abgeschlossen, doch sie war ein langer und komplizierter Prozess.

Zwingli, der grosse Unbekannte: Strassenumfrage von den Machern von «Zwingli Wars». Video: Vimeo/ZwingliWars

Mi — 20 Uhr
Miller’s
Seefeldstr. 225
Eintritt 36 Franken
Bis 30.9.
www.zwingli-wars.ch

(Züritipp)

Erstellt: 05.09.2018, 15:38 Uhr

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