Steff la Cheffe ruft die Revolution gegen Sexismus aus

Das Neumarkt Theater zeigt mit «Alice», wie das Zusammenleben von Frau und Mann funktioniert – oder eben nicht.

Zeigen dem jüngeren Publikum, warum es ihr folgen soll: Alice (Nina Gurtner, l.) und Steff la Cheffe. Foto: PD

Zeigen dem jüngeren Publikum, warum es ihr folgen soll: Alice (Nina Gurtner, l.) und Steff la Cheffe. Foto: PD

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Alice fährt mit einem Lift ins Wunderland. In die Kabine drängen sich weitere Menschen. Sie tragen Kittel und reden durcheinander. Einer sucht das Gespräch mit der jungen Frau: Ob das «Fräulein» wisse, welche Zeit es sei. Ob es Kinder habe, eine Familie wolle. Alice reagiert gereizt.

Video: Trailer zu «Alice»

Die Berner Rapperin Steff la Cheffe, die Choreografin Annalena Fröhlich und der Theaterschaffende Fabian Chiquet touren mit einem Stück, das in keinen Dezember besser gepasst hätte als in diesen. 75 Minuten lang greifen sie die Themen auf, die dieses Jahr Medien und soziale Netzwerke dominiert haben: Sexismus, Übergriffe, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Als Grundlage dienten Gespräche, die Terre des Femmes mit dreissig verschiedenen Frauen geführt hat. Die Arbeit am Stück begannt jedoch bereits vor zwei Jahren. «Wir wurden von der Realität eingeholt», sagte Chiquet in einem Interview.

Jung und verspielt, aber nie heftig

Als Alice (Gina Gurtner) tief unter der Erde aussteigt, trifft sie wie ihre als Inspiration dienende Namensvetterin auf schräge Figuren. Eine Schamanin mit Fuchskopf, die singend die göttliche weibliche Kraft beschwört. Eine aggressive Karrierefrau, die über Businessbedingungen lästert – und hochschwanger ist. Ein verstörtes Mädchen, das stammelnd über Sex spricht, ein Papakind, eine Übermutter. Und einen einzigen Mann, der über menstruierende Frauen lästert und einen zotigen Witz reisst. Längst nicht alle Teenager im Aarauer Theater Tuchlaube haben diesen verstanden. Noch Minuten später raunen sie sich die Frage zu: «Wieso Fischgeruch?»

«Alice» ist ein junges, verspieltes Theater mit viel Musik, hübschen Choreografien und Ideen. Es rüttelt an der gesellschaftlichen Realität, doch wirklich heftig wird es nie. Auch wenn Steff la Cheffe im Verlauf immer wütender auftritt, Alice gar zur Revolution aufruft. Nicht nur in den letzten Monaten hat man diese Forderungen oft gehört und gelesen. «Alice» zeigt vor allem dem jüngeren Publikum, weshalb es ihr folgen sollte.

Die Aufführungen in Zürich sind bereits ausverkauft. Weitere Daten unter www.alice-theater.com. (Zueritipp)

Erstellt: 07.12.2017, 15:37 Uhr

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