Unterstützt von «Halloo-Wach-Tabletten»

Joachim Meyerhoff liest aus dem vierten und letzten Band seiner autobiografischen Romanreihe – von der Liebe und vom Scheitern.

Grosses Lesevergnügen: der vierte Roman des Schauspielers.

Grosses Lesevergnügen: der vierte Roman des Schauspielers.

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Wenn Joachim Meyerhoff, der heute am Wiener Burgtheater spielt und bereits zweimal zum Schauspieler des Jahres gewählt wurde, aus seinen Büchern liest ohne den Schutz einer Bühnenfigur, dann meint man einen Hauch von dem zu spüren, was er in seinen autobiografischen Romanen immer wieder beschreibt: Dieses Unwohlsein, das ihn als jungen Schauspieler regelmässig auf der Bühne befallen haben will, dieses Gefühl, da nicht hinzugehören.

Nackter David aus Marmor

Auch der Anfang zwanzigjährige Joachim Meyerhoff aus «Die Zweisamkeit der Einzelgänger» ist noch keineswegs mit dem Schauspielerberuf versöhnt, dafür hält die Liebe Einzug in sein Leben. Er verliebt sich in Bielefeld Hals über Kopf in die hochbegabte Studentin Hanna. Mit ihr findet er sich unter anderem eines Nachts nackt in einem Schuhladen wieder als «ein marmorner David bei Deichmann».

Hanna macht ihn selbstbewusster, glücklich, fordert ihn mit all ihrem Wissen, aber sie überfordert ihn auch. Und wäre das Leben nicht schon kompliziert genug, lässt Meyerhoff Hanna in Bielefeld zurück, geht nach Dortmund ans Theater und bald auch in die Arme der exzentrischen Tänzerin Franka. Unterstützt von einer ungesunden Menge an «Halloo-Wach-Tabletten», besteht Meyerhoffs grösste Performance fortan darin, die zwei Lebens- und Liebeswelten voneinander fernzuhalten. Und dann ist da auch noch ein ungeborenes Kind.

Liebevoller Ton und doch melancholisch

Etwas Ruhe und stets eine Puddingbrezel findet er regelmässig in der Backstube der warmen, weichen und resoluten Ilse. Doch auch die kann ihn vor dem, was da kommen muss, nicht bewahren.

Der Autor entlockt in seinem Roman der Sprache wieder viel Lustiges und Liebevolles. Zugleich ist sein Ton melancholischer geworden. Stören tut das nicht, denn Meyerhoff fängt damit gekonnt diese so elektrisierende wie irritierende Lebensphase zwischen Spätpubertät und langsam aufkeimender Vernunft ein.

Do — 20:00 Uhr
Kaufleuten
Pelikanplatz
www.kaufleuten.ch
Eintritt 28 Franken

(Züritipp)

Erstellt: 27.06.2018, 16:46 Uhr

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