Wenn Dinge lebendig werden

Das Theater Stadelhofen hat eine neue Leitung. Zum Auftakt verwandelt sie es in einen Wunderkeller.

Françoise Blancpain und Benno Muheim machen jetzt «Theater der Dinge» für Kinder und Erwachsene.

Françoise Blancpain und Benno Muheim machen jetzt «Theater der Dinge» für Kinder und Erwachsene.

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Spricht man mit Françoise Blancpain und Benno Muheim, den neuen Leitern des Theaters Stadelhofen, fällt ein Begriff immer ­wieder: «Theater der Dinge». Gefragt, was damit gemeint sei, sagt die Zürcherin lachend: «Was wir hier zeigen, ist Figuren-, Material- und Objekttheater. Das klingt aber ziemlich schwerfällig. Deshalb haben wir uns für ‹Theater der Dinge› entschieden. Aber um es genauer zu erklären: Beim Objekttheater geht es um Gegenstände, die beseelt werden. Beim Materialtheater wird beispielsweise mit Farbe, Papier oder Mehl experimentiert.»

Zwar richtet sich der Spielplan des Theaters Stadelhofen zu achtzig Prozent an ein junges Publikum, aber die beiden Leiter legen grossen Wert darauf, dass das Theater der Dinge nicht einfach Kinderkram ist. «Es setzt Mensch und Ding in eine überraschende Beziehung zueinander und stellt die dingliche Welt differenzierter dar als andere Formen von Theater», schaltet sich Benno Muheim ein.

Der baumlange Schächentaler hat einst mit Denise Wintsch («Regula») zusammen die Schauspielschule absolviert und bei Projekten der Stückeerfinderin und Darstellerin Regie geführt. «Denise arbeitet mit der Klanglichkeit und der Wirkung von Material, schafft so Räume und Stimmungen, aus denen sich dann Figuren entwickeln», erklärt Muheim. Deshalb sei sie auch bei der Eröffnungsproduktion des Theaters Stadelhofen, «Alice im Wunderland» (siehe Box), mit von der Partie.

«Das Publikum wird dabei in drei Gruppen aufgeteilt und durchs Haus geführt, das man so als Wunderkeller erlebt», erklärt Blancpain, die an diesem Projekt als Dramaturgin beteiligt ist. «Je nachdem ist das Publikum zuerst mit der Stimmkünstlerin Isa Wiss unterwegs, welche die Technikerin des Theaters spielt, oder mit Julius Griesenberg, einem Figurenspieler, der hier einen Kellner darstellt, oder mit Denise Wintsch als Schauspielerin, die in ihrer Garderobe nicht so genau weiss, was gespielt wird.» Und Regisseur Muheim? Der freundliche Riese spielt einen ausgesprochen ­autoritären Theaterdirektor.

Theater Stadelhofen
Stadelhoferstr. 12
www.theater-Stadelhofen.ch
So (Premiere) 11 Uhr und 14.30 Uhr, Mi 14.30 Uhr
Eintritt 18 Franken
Bis 5.11.
Ab 7 Jahren
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.10.2017, 16:17 Uhr

Alice im Wunderland

Wie stellt man eine sprechende Raupe dar? Das, woran Schauspieler scheitern, gelingt im Objekttheater spielend. Auch das Gespräch zwischen Alice und dem verrückten Hutmacher funktioniert bestens als Dialog zwischen einem Sahnekännchen und einer umgedrehten Teekanne. Die Leute vom Theater Stadelhofen verfahren frei mit Lewis Carrolls genialem Roman, übernehmen aber dessen Techniken: So können sich hier Wörter beim Runterfallen das Kreuzband brechen und wird aus einem Kinderreim wie «Aazele, Bölle schele» ein Wunderwerk des Nonsense. (bod)

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