«Wir alle zweifeln doch manchmal»

Mit ihrer Suizid-Performance «The Beast In You» brechen Martina Momo Kunz und ihr Kollektiv Les Mémoires d'Helène ein Tabu. Uns hat die Bernerin erklärt, warum das wichtig ist.

Martina Momo Kunz wurde beim Nachwuchspreis Premio ausgezeichnet.

Martina Momo Kunz wurde beim Nachwuchspreis Premio ausgezeichnet.

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In Ihrem Stück «The Beast In You» denkt eine junge Frau über Selbstmord nach. Wieso will sie nicht leben?
Helène fragt nach dem Sinn und der Werthaftigkeit des Lebens. Sie lebt in einem Chaos von Gedanken und einer destruktiven Gefühlswelt und sehnt sich nach Befreiung.

Glauben Sie, dass das Publikum diese extremen Gefühle kennt?
Vielleicht nicht ganz so extrem, aber wir alle zweifeln doch manchmal, fragen nach dem Sinn des Lebens oder suchen nach einem Ziel. Es geht mir auch nicht nur um Identifikation, sondern auch um Empathie für solch seelische Abgründe.

Wie haben Sie für das Stück recherchiert?
Ich habe Filme geschaut, Bücher und Statistiken zum Thema gelesen, mich mit Leuten in meinem Umfeld unterhalten. Und mich durch Suizidforen gelesen. Dort kann man anonym auftreten, ­alle seine Gedanken teilen, ohne Konsequenzen im sozialen Umfeld. Das kann aber auch gefährlich sein.

Inwiefern?
Wenn Menschen in fragilen Gefühlslagen ganz präzise Anleitungen lesen, wie und wo man am günstigsten Pillen zum Überdosieren bestellen kann, löst dies vielleicht eine impulsive Tat aus.

Braucht es Mut, eine Performance über Suizid zu machen?
Ich finde es vor allem notwendig. Das Stigma, welches Suizid leider immer noch anhaftet, verhindert einen offenen Umgang damit. Ich hoffe, einen Teil dazu beizutragen, dass wir gelöster darüber sprechen können. Ich bin mir aber auch der Verantwortung bewusst, zum Beispiel wegen des Nachahmungseffektes. Deswegen habe ich das Gespräch gesucht mit Suizidforschern und Präventionsfachleuten.

Wie haben diese auf Ihre Idee reagiert?
Sie finden es wichtig, dass man auch in der Kunst solche Themen offen anspricht. Aber sie ­haben natürlich ganz klare Vorstellungen, was aus der Sicht der Prävention geht und was nicht. Auch deshalb war dieser Austausch wertvoll für mich. Ich will schon gewisse Grenzen überschreiten auf der Bühne, aber ich will es nicht unüberlegt tun.

Dienstag, 20 Uhr, Fabriktheater. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.02.2017, 15:50 Uhr

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