Zum Hauptinhalt springen

Alles dürfen

Sebastian Baumgarten macht aus einer antikapitalistischen Oper einen Abend voll Sex und Verbrechen.

Es geht wild zu und her in der Oper von Bertolt Brecht und Kurt Weill.
Es geht wild zu und her in der Oper von Bertolt Brecht und Kurt Weill.
Tanja Dorendorf

Natürlich gabs 1930 bei der Uraufführung in Leipzig einen Skandal. Die antikapitalistische Agitprop-Oper «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» des Gespanns Brecht/Weill wollte der erstarkenden NSDAP gar nicht gefallen. Nach Aufführungen in deutschen Städten verschwand das Werk und erlebte erst nach dem Krieg sein Comeback.

Schon klar: Das hedonistische Credo, «dass man alles dürfen darf», wie es die Menschen in Mahagonny bis zum Exzess zelebrieren, lässt sich unschwer auf die Gegenwart übertragen. Die Holzfäller von damals sind die Abzocker, Spekulanten und Finanzhaie von heute. Alles ist erlaubt, nur eines nicht: kein Geld zu haben! So wird denn angesichts des heranziehenden Hurrikans gesoffen, gehurt, gefressen und gemordet, was das Zeug hält. Bis die Stadt im brennenden Chaos versinkt – obwohl sie vom Wirbelsturm verschont bleibt.

Kurt Weill hat dazu eine vielschichtige Musik geschrieben, die ebenso frech wie genial Bach persifliert, Märsche, Songs, Tanznummern, Operettenschmäh, Film- und Passionsmusik kombiniert. In ihrer Faktur und Instrumentation unterläuft sie ironisch die gängige und erwartete Opulenz der Oper. Dieser Kontrast ist es offenbar, der einen Regisseur wie Sebastian Baumgarten, der gern in die Vollen geht, reizt: Ein üppiger, lustvoller Abend entspreche genau seinen Vorstellungen. Dazu viel Sex and Crime, und am Schluss darf auch noch gezündelt werden!

So 19 Uhr, Opernhaus, Sechseläutenplatz / Infos: www.opernhaus.ch

Eintritt 29 bis 270 Franken / Bis 24.11.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch