Alles zum Strip mit Stil

In Zürich wird die europäische Burlesque-Queen gekürt. Wir liefern das Abc von A wie Ausziehen bis Z wie Ziegfeld.

Mutig, anmutig, anders: Der Strip mit Stil macht Furore.

Mutig, anmutig, anders: Der Strip mit Stil macht Furore. Bild: Vital Stoll

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A –Ausziehen. Zentraler Bestandteil fast jeder Burlesque-Nummer. Während die Kleider der Performerin nach und nach zu Boden fallen, enthüllt sich dabei der Charakter der dargestellten Bühnenfigur, eine Idee oder ein Gag.


B – Boylesque. Burlesque gilt als entschieden weibliche Kunstform, doch inzwischen hat sich eine männliche Variante etabliert, die genauso mit männlichen Stereotypen spielt, wie Burlesque es mit weiblichen tut. Wie «Magic Mike» sieht das nicht unbedingt aus.


C – Conférencier. Eine flamboyante Hostess oder ein flamboyanter Host sind unverzichtbarer Bestandteil jeder Burlesque-Show, um das Publikum auf die kommenden Nummern einzustimmen und zwischen ihnen zu unterhalten.


D – Dita Von Teese. Die Amerikanerin ist die berühmteste zeitgenössische Burlesque-Tänzerin der Welt und massgeblich daran beteiligt, ihre Kunstform einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Niemand macht glamourösere Shows. Nur dass man ihren Namen «Ties» ausspricht und nicht «Täse», hat sich noch nicht überall herumgesprochen.


E – Exotik World Museum. Das mittlerweile nach Las Vegas verlegte und in «Bur­lesque Hall of Fame» umbenannte Museum ist der Ort, an dem die Geschichte der Burlesque bewahrt, gefeiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Beliebt ist der Tanz mit riesigen glamourösen Fächern: Hier Kokeshi Momo. Bild: Vital Stoll

F – Fandance. Seit Sally Rand damit 1933 berühmt wurde, erfreut sich der Tanz mit riesigen, glamourösen Fächern aus bunt gefärbten Straussenfedern nie nachlassender Beliebtheit.


G – Glitzer. In der Welt der Burlesque gibt es grundsätzlich nichts, das sich nicht durch das Anbringen von Strass verbessern liesse. Bur­lesque-Enthusiastinnen verbringen Stunden damit, Korsetts, BH oder Strumpfnähte damit zu verzieren. Die Funkelsteinchen üben offenbar eine stark süchtig machende Wirkung aus (vielleicht ist es aber auch der Klebstoff).


H – Handschuh. Die 101 Arten, einen langen Handschuh vom Arm zu streifen, sind quasi das kleine Einmaleins einer Burlesque-Künstlerin. Jeder, der Rita Hayworth in «Gilda» gesehen hat, weiss um die Wirkung.


I – Inspiration. Alles kann zur Ausgangsidee einer Burlesque-Nummer werden: der Wunsch, ein Rokokokostüm zu tragen, ein Pin-up-Foto von Bettie Page, ein Lieblingssong oder der Eindruck, Dinosaurier seien ein in der Burlesque bisher vernachlässigtes Thema.


J – Josephine Baker. Mit ihrem Oben-ohne-Tanz im legendären Bananenröckchen wurde die Afroamerikanerin im Europa der 20er-Jahre zur Sensation. Vielerorts erhielt sie Auftrittsverbot; nicht so im zwinglianischen Zürich, wo sie das Mascotte beehrte (lesen Sie hier, wer aktuell das Mascotte beehrt).


K – Korsett. Ein steifes, fest geschnürtes Korsett, laut Dita Von Teese «der heilige Gral der Lingerie», gehört zur Standardausrüstung im modernen Burlesque. In der klassischen Ära war es aber spätestens ab den 50er-Jahren nicht mehr populär.


L – Little Egypt. Unter diesem Namen traten in den USA des ausgehenden 19. Jahrhunderts mehrere Bauchtänzerinnen auf, deren Coo­chie Coochie (oder Hootchie Cootchie) den Cancan als anrüchigsten Tanzstil ablöste. Ihre provokanten Hüftbewegungen beeinflussten den Burlesque-Tanz nachhaltig.


M – Musik. ist die Grundlage jeder Burlesque-Nummer. Es gibt Klassiker, die man immer wieder hört, wie «Harlem Nocturne», «Night Train» oder «Hey, Big Spender», aber eine perfekte Choreografie zu einer Autoalarmanlage liegt ebenso drin.


N – New Burlesque. Der Begriff grenzt die Burlesque nach alter Mütter Sitte von der Art Burlesque ab, die ab den 90er-Jahren aufkam. Diese weist nicht nur eine grössere stilistische Bandbreite auf als die herkömmliche Form, sie findet auch unter anderen Bedingungen statt: Die Organisatoren wie auch die Zuschauer sind nun mehrheitlich weiblich.


O – Outfit. Burlesque-Kostüme zeichnen sich durch ihre Opulenz aus: massenhaft Pailletten, Strass und Federn. Wie es eine Performerin beschrieb: «Eine Stripperin zieht sich für Geld aus, eine Burlesque-Tänzerin gibt ihr Geld aus, um sich ein neues Kostüm zu machen.»

Nicht weg zu denken: Das Korsett gehört dazu. Bild: Vital Stoll

P – Pasties. Gäbe es ein heraldisches Zeichen für Burlesque, wären es Pasties. Nichts bezeichnet die Kunstform eindeutiger als jene kleinen, oft mit Quasten versehenen, aufklebbaren Abdeckungen der Brustwarzen. Neben dem String-Tanga das einzige Kleidungsstück, das nie fällt.


Q – Queer. In der Szene tummeln sich zahlreiche unkonventionelle Zeitgenossinnen, welche die Ausdrucksmöglichkeiten der Form schätzen. Dirty Martini, ein Burlesque-Star ersten Ranges, ist zu Beginn nur in Schwulenclubs aufgetreten: «Die haben es damals als Einzige verstanden.»


R – Reissverschluss. Einer Legende nach soll Burlesque 1925 entstanden sein, als eine Tänzerin auf offener Bühne verzweifelt mit ihrem klemmenden Reissverschluss kämpfte, was das Publikum sehr lustig fand. Wahr ist jedenfalls, dass sehr, sehr lange Reissverschlüsse, die sehr, sehr langsam geöffnet werden, ziemlich cool sind.


S – Striptease ging aus der klassischen Burlesque hervor und verdrängte diese in den 60ern von den Nachtclubbühnen. Anders als der freizügigere Striptease ist heutige Burlesque nicht auf sexuelle Erregung aus, sondern will unterhalten – ob mit Eleganz, parodistischen Elementen oder subversiver Provokation. Was Erotik-Business war, ist Kleinkunst geworden.


T – Tassel Twirling. Wenn die Tänzerin die Quasten (engl. tassels) an ihren Pasties zum Rotieren bringt, spricht man von Tassel Twirling. Man erreicht dies mit verschiedenen Techniken.


U – Unverwechselbarkeit. «You Gotta Have a Gimmick» heisst es im Musical «Gypsy», das auf dem Leben der legendären Gypsy Rose Lee beruht. Wie ein Wrestler hat auch eine Burlesque-Tänzerin ihre Persona, ihren Bühnennamen, ihr besonderes Markenzeichen, mit dem sie sich abhebt. Bei Emma Mylan ist dies beispielsweise die Feuer-Jonglage.


V – Vintage. Burlesque orientiert sich stilistisch gern an den 20er- bis 50er-Jahren. Die passende Ausstattung findet man in Zürcher Läden wie Dardy Candy Cat an der Steinstrasse 50 (gegründet von einer Zürcher Burlesque-Pionierin), Hazel’s Boudoir (Josefstrasse 26), Meine Garderobe (Zweierstrasse 119) oder The Powder Room (Birmensdorferstrasse 240).


W – Witz. Dass sich der Begriff Burlesque aus dem italienischen Wort burla ableitet, was Scherz bedeutet, weist bereits darauf hin, dass Komik immer schon ihren Platz in diesem Genre hatte. Was wären eine Mae West oder Gypsy Rose Lee ohne ihren scharfen Witz, für den sie bis heute bewundert werden?


X – X-Beine. Ob X- oder O-beinig, flachbrüstig oder mit Körbchengrösse D, ob Babyspeck oder Cellulite: Beim Burlesque sind alle Körperformen zugelassen, und zwar nicht nur als vereinzeltes Body-Positivity-Feigenblatt.


Y – Yippie-yeh. Burlesque ist keine rein passive Unterhaltung, das Publikum ist angehalten, die Künstlerinnen, die Künstler nach Leibeskräften anzufeuern: Klatschen, stampfen, pfeifen und heulen Sie. Wenn Sie klingen wie der Wolf aus den Tex-Avery-Cartoons, machen Sie es genau richtig.


Z – Ziegfeld Follies. Die von Florenz Ziegfeld gegründete Burlesque-Revue lief in New York von 1907 bis 1931 und war nicht zuletzt für ihre Chorus Line und die fabelhaften Kostüme berühmt. Eine Vorstellung davon vermitteln die Filme «The Great Ziegfeld» (1937) und der Technicolor-Traum «Ziegfeld Follies» (1946), den Dita Von Teese als einen ihrer Lieblingsfilme und Inspirationsquelle bezeichnet.

Sa 16.11. — 19:30 Uhr
Club Mascotte
Theaterstr. 10
Eintritt 46 / 68 Franken
www.mascotte.ch

Erstellt: 14.11.2019, 20:17 Uhr

Anlässe

Gypsy Rose Bar
Freitag, 29. 11.; Freitag 27.12., ab 21 Uhr
Miss Miu, Europaallee 48

Im Hinterzimmer des koreanischen Restaurants Miss Miu versteckt sich die «Speakeasy und Burlesque Bar Gypsy Rose», wo Cocktails mit Namen wie Blue Angel Cabaret oder Bettie Page serviert werden. Am letzten Freitag im Monat finden in dem intimen Lokal kleine Burlesque-Shows statt.

Cabaret Chococo
Samstag, 30.11., 19.30 Uhr; Sonntag, 1.12., 18 Uhr
Falcone Sounds, Birmensdorferstr. 150

Das Tanzstudio Danse Partout organisiert seine zweite Burlesque Newcomer Night, an der die Schülerinnen und Lehrerinnen der Tanzschule sich auf der Bühne präsentieren. Nach dem Erfolg des letzten Jahres gibt es 2019 sogar gleich zwei abendfüllende Shows mit unterschiedlichem Programm.

Ohh! La La! Chérie!
Samstag, 7.12., 19.30 Uhr
Plaza Klub Zürich, Badenerstr. 109

Seit Eröffnung des Clubs vor fast einer Dekade ist das Plaza der Ort, an dem man am regelmässigsten Burlesque-Shows geniessen kann, nämlich jeden ersten Samstag im Monat. Im Dezember zeigt Impresaria Emma Mylan internationale Stars wie Chris Oh und einheimische Talente wie Minouche Von Marabou.

The European Queen Of Burlesque

In dieser von Emma Mylan veranstalteten Europameisterschaft der Burlesque treten zunächst in sechs Vorausscheidungen (16. November, 14. Dezember, 18. Januar, 8. Februar, 14. März und 18. April) jeweils fünf Künstlerinnen gegeneinander an. Die Gewinnerinnen der Vorrunden bestreiten das Finale am 16. Mai 2020, wo eine von ihnen zur «European Queen of Bur­lesque» gekürt wird. Und ja, Männer sind auch dabei.

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