Auch Roboter können Diven sein

Pepper ist der neue Star der Bühne. In Theaterstück «Robocare» zeigt der Roboter, was er gelernt hat.

Die beiden Hauptrollen in «Robocare»: Maja Stolle und Pepper.

Die beiden Hauptrollen in «Robocare»: Maja Stolle und Pepper. Bild: Madeleine Schoder

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Er hat im Glattzentrum gearbeitet und den Menschen den Weg gezeigt, zum Beispiel zur Toilette oder zum nächsten Bankschalter. Diese Aufgaben haben ihm Freude gemacht, aber darauf war er auch programmiert. Nun hat man ihn ins Casinotheater gebracht, dort steht Pepper, ein Produkt der Firma Softbank Robotics, für die neue Eigenproduktion «Robocare» auf der Bühne. Eine richtige Rolle wird er da spielen, zusammen mit anderen Schauspielern. Fürs Theater ist der Roboter eigentlich nicht gemacht. Denn in welchem Stück kommt schon der Satz vor: «Bis bald und auf Wiedersehen bei uns im Glattzentrum»?

Pepper wird in «Robocare» andere Wörter sagen: «Ich bin Maria.» Oder: «Ich werde Ihnen Gesellschaft leisten.» Das Skript hat Domenico Blass geschrieben, er erzählt in seinem Stück, wie der Roboter zu den Menschen kommt. Die Geschichte geht etwa so: Eine Tochter hat keine Zeit, sich um ihre Mutter zu kümmern, ein ausgedienter Roboter soll die Pflege der alten Frau übernehmen. Für die Aufgabe hat ihn ein Informatikstudent upgegraded – den Rest soll sich die hochintelligente Maschine dank ihrer Lernfähigkeit selber beibringen.

«Pepper kann über sich hinauswachsen»Johannes Stähli und Jonas Stauffer, Raumcode

Das jedenfalls wird Pepper zugeschrieben. So intelligent ist die Maschine in Wirklichkeit nicht. Pepper kann sehen, hören und sprechen, er kann sich fortbewegen – und auch fühlen. Zum Pflege-Hamlet reicht es noch lange nicht. «Pepper kann über sich hinauswachsen», sagen aber Johannes Stähli und Jonas Stauffer von der Firma Raumcode.

Die beiden sind sozusagen die Schauspiellehrer des Roboters, sie haben ihn, zusammen mit ihrem Team, für das Theater fitgemacht. Mit künstlicher Intelligenz hat Peppers Bühnenpräsenz wenig zu tun. Mehr mit der Kunst des Programmierens. «Die Maschine hat gelernt, dass sie macht, was wir von ihr wollen», sagen Stähli und Stauffer. Pepper kann jetzt vieles, auch sich verweigern. Wenn die alte Frau von ihm einen Whisky verlangt, sagt er cool: «Ist nicht in Ihrem Speiseplan vorgesehen.» So weit haben es wir mit den Maschinen gebracht.

Es war ein Stück harter Arbeit. Denn Robo­ter lassen sich gerne ablenken. Eine Unebenheit auf der Bühne genügt, und schon nimmt sich Pepper den Raum, der ihm eigentlich gar nicht zusteht. Man könnte sagen: Er ist eine kleine Diva. Manchmal überhitzte auf der Probe auch sein Motor. Kann jedem Schauspieler mal passieren, dass er hängt.

Man kann sie lieben oder hassen

Im Besprechungszimmer von Raumcode an der Rötelstrasse 84 in Zürich steht ein Pepper-Modell, es scheint zu schlafen. Natürlich schlafen Roboter nicht, sie sind einfach abgestellt. Null Beziehung sollten wir zu ihnen haben. Und doch entwickeln die Menschen auf der Bühne Gefühle zur Maschine. Passiert ein Fehler, geben die Schauspieler Pepper die Schuld – und nicht den Programmierern.

So wird die Maschine zur Projektionsfläche. Man kann sie lieben und hassen. Pepper ist nicht allein. Denn im September bekommt Zürich Besuch von einem anderen Roboter. In der Gessner­allee wird «Unheimliches Tal / Uncanny Valley» gegeben, das Kunstprojekt von Rimini Protokoll und Thomas Melle. Eine humanoide Maschine spielt auf der Bühne Mensch. «Wer spricht, und was ist sein Programm?», das hier die Frage. Pepper lacht über dieses Thomas-­Melle-Double. Nein, im Glattzentrum kennt sich dieser dumme Kollege sicher nicht aus.

Casinotheater
Winterthur, Stadthausstr. 119 www.casinotheater.ch
Premiere (Achtung, verschoben!): Sa 31.8.
Eintritt 50–77 Franken
Bis 28.9.

«Unheimliches Tal / Uncanny Valley»:
Gessnerallee: Do 5.9.– So 8.9.

Erstellt: 01.09.2019, 22:31 Uhr

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