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Auf ein Date mit sich selbst

Im Rahmen des Tanzfestivals «Zürich tanzt» zeigt Oliver Roth sein Performance-Stück «Me Time!», in welchem er Zuschauern Zeit schenkt. Wie das geht und was er damit erreichen will, hat er uns erzählt.

Ob Gameboy spielen oder eine Party feiern - die Zuschauer wählen selbst, was sie machen möchten.
Ob Gameboy spielen oder eine Party feiern - die Zuschauer wählen selbst, was sie machen möchten.
Nelly Rodriguez

Rumhängen, chillen, tagträumen – kurz: nichts tun. Seien Sie ehrlich: Wie oft machen Sie das wirklich? Zu selten, ist Performance-Künstler Oliver Roth überzeugt und schenkt deshalb Zuschauern in seinem Stück «Me Time!» Zeit. «Ich glaube einfach, dass wir uns zu wenig Zeit für uns selbst nehmen, vor allem weil in unserer Leistungsgesellschaft Nichtstun oft einen negativen Beigeschmack hat», sagt Roth am Telefon. Dabei, so habe er im Zuge seiner Recherchen herausgefunden, passiere beim Tagträumen viel mehr als beim angestrengten Nachdenken, und im Nichtstun könne durchaus viel Produktivität liegen.

Oliver Roth hat sich nicht per Zufall intensiv mit der «Me Time» – also Zeit, die man bewusst nur mit sich selbst verbringt – beschäftigt: «Ich wurde vor kurzem Vater, da wird der persönliche Zeitplan natürlich durcheinandergewirbelt und die ‹Me Time› muss man sich noch bewusster herausnehmen. Zudem habe ich gemerkt, dass immer mehr Leute ausgebrannt sind und sich deshalb zurückziehen.»

Seine künstlerische Antwort auf dieses Zeitgeistphänomen: ein Stück, das er selbst den «Arts Vivants» zuschreibt, also der lebendigen Kunst. Die Zuschauer sind nämlich dazu eingeladen, während zweier Stunden zu spielen, zu lachen, zu singen und eben auch nichts zu tun. Funktioniert ein solch interaktives Performance-Stück mit der schweizerischen Zurückhaltung und Skepsis? Oliver Roth lacht. «Ich bin selbst kein Fan von Mitmach-Theatern, deshalb müssen sich die Zuschauer in meinem Stück nicht zwingend aktiv betei­ligen, sie können sich auch im Hintergrund halten und einfach zuschauen. Trotzdem sind die Leute ins Stück involviert.» Das ist dem Künstler, der sich mit seinen unkonventionellen Werken schon länger in der Theater- und Tanzszene bewegt, ein grosses Anliegen: «Ich will nicht für ein passives Publikum eine dunkle Tribüne bespielen, ich möchte aktive Zuschauer – aber natürlich, ohne übergriffig zu werden.» Dass diese Gratwanderung schwierig ist, ist ihm durchaus bewusst.

Widersprüche und multidisziplinäres Denken interessieren den 30-Jährigen. Tatsächlich weiss man bei einigen seiner Arbeiten nicht, ob man als Zuschauer lachen oder weinen soll. Auch die Genreform von Oliver Roths Werken lässt einen manchmal ratlos zurück. Wie etwa passt «Me Time!» ins Programm von «Zürich tanzt»? Der zeitgenössische Tanz sei schon länger mehr als nur strikte Bewegungs­abläufe, die frontal vorgeführt werden, findet Roth. «Mein Stück setzt sich mit der Körperlichkeit des Publikums auseinander und passt deshalb gut ins Festival­programm.»

Fr/Sa, 20 Uhr, So 16 Uhr (beschränkte Platzzahl) Cabaret Voltaire Spiegelgasse 1, www.cabaretvoltaire.ch Tagespass (alle Veranstaltungen) 25 Franken, 3-Tages-Pass 45 Franken

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