Auf Mission in der Fremde

Das Musical «The King and I» lädt ein zum Tanz. Wir haben die Produktion in London gesehen. Und waren hin und weg.

Erziehung kann auch sehr fröhlich sein: Anna (Kelli O'Hara) im Kreis ihrer Schülerinnen.

Erziehung kann auch sehr fröhlich sein: Anna (Kelli O'Hara) im Kreis ihrer Schülerinnen.

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Musical Kann man heute noch so eine Geschichte erzählen? Von Anna, der englischen Erzieherin, die 1860 an den Königshof von Siam kam, beauftragt mit der Mission, die Prinzessinnen und Prinzen auf den Stand der westlichen Welt upzudaten? Anna hat in Sachen Anschluss an die Moderne ihre ganz eigenen Prinzipien: Barfuss laufen darf ein Königskind nicht, sie zwängt es in Reifrock und enge Schuhe.

Und auch dem König, der recht von sich selber eingenommen ist, will sie eine Lektion geben: Abso­lutismus ist doch so was von gestern, eine konstitutionelle Monarchie könnte für Siam die Zukunft sein, ganz nach britischem Vorbild. Sehr klassisch zeigt sich in dieser Geschichte der koloniale Blick. Und eine solche Perspektive ist heute doch politisch höchst unkorrekt.

Könnte man sagen. Doch dann sieht man Kelli O’Hara, die in dieser «King and I»-Version die Anna ist, bei ihrem ersten Auftritt, und alles wird ein bisschen anders. Sie steht an der Reling des Schiffes, das sie nach Siam bringt, und schaut, wie nur englische Erzieherinnen schauen können. Der Blick sagt: Ich bin streng. Ich meine es aber ja nur gut. Eine solche Lehrerin will man eigentlich nicht haben. Mit dem Lied «I Whistle a Happy Tune» nimmt sie uns aber gleich an die Hand.

Wenn der König tanzt: Das Musical «The King and I». Video: YouTube/Freddy Burger Management

Schon ist man hin und weg, wie alle, die diese Anna kennen lernen: die 67 Kinder des Königs. Seine Konkubinen. Auch irgendwie der König selber. Und so folgen wir ihr gerne, rund drei Stunden lang, durch die Stationen dieses Musicals. Denn Kelli O’Hara ist einfach grossartig. Weil sie, mit allem Gouvernanten-Ernst, auch recht funny sein kann. Wie sicher auch die Zürcher Besetzung Annalene Beechey.

Regisseur Bartlett Sher weiss genau, wie das Musical von Richard Rogers und Oscar Hammerstein aus dem Jahr 1951 auch heute noch funktioniert. Seine Version, die am Broadway 2015 Premiere hatte, dann lange Zeit im Londoner Palladium Theater gespielt wurde und nun auf Tournee ist, hat eine Art Vintage-Look.

Elemente der Originalversion werden aufgenommen. Überhaupt: Cinemascope ist das Format der Produktion. Alles wirkt recht plastisch. Auch in den Details. Es ist die alte Geschichte. Und doch sehen wir ein paar Sachen neu. Und hören die Lieder, als hörten wir sie zum ersten Mal, wie zum Beispiel Annas «Hello, Young Lovers». Das mit der neuen Sichtweise ist natürlich ein bisschen übertrieben. Aber ein Musical ist nun mal kein Dokfilm. Die Übertreibung gehört zum Genre.

Nehmen wir zum Beispiel den Ballrock, mit dem Anna zum Stichwort «Shall We Dance» ihren grossen Auftritt mit dem König hat. Der Ballrock ist zu voluminös für die Treppen im Palladium – eine Backstage-Tour hat uns das in London vorgeführt. Die Sängerin musste sich hinter der Bühne umkleiden. Aber dann fliegt sie in ihrem Kleid nur so über die Bühne. Der König drückt hier, eins, zwei und drei, recht aufs Tempo. Und nicht nur für diese Szene muss man ihn lieben.

In London hat der Schauspieler Ken Watanabe den König gespielt, man kennt ihn von Holly­wood-Filmen wie «Godzilla». In Zürich wird es der Sänger Jose Llana sein. Auch er ist in dieser Fassung ein bisschen anders, als es sonst die Könige von Siam sind. Sagen wir mal so: Er wirkt sehr einnehmend auf seine Umgebung. Und lernt auch schnell, wie er die Geschichte mit ein paar Schritten in eine andere Richtung lenken kann. Ausserdem tanzt der König barfuss. Da hat Anna gar nichts mehr zu sagen. Und auch sie ist dann hin und weg.

Di 19.11. — 19:30 Uhr / Mi 20.11. — 1830 Uhr
Theater 11
Thurgauerstr. 7
Eintritt 70–150 Franken
Bis 1.12.
Di / Do / Fr 19.30 Uhr, Mi 18.30 Uhr, Sa 14.30 Uhr und
19.30 Uhr, So 13.30 Uhr und 18.30 Uhr
www.musical.ch/kingandi

Erstellt: 13.11.2019, 18:35 Uhr

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