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«Cats»: Kunst oder Kitsch?

«Cats» ist eines der berühmtesten und beliebtesten Musicals der Welt. Zu Recht? Wir konnten uns nicht einigen.

Katzenmusik oder grosse Kunst? Szene aus dem Musical «Cats».
Katzenmusik oder grosse Kunst? Szene aus dem Musical «Cats».
Alessandro Pinna

Pro

Himmel, auf was habe ich mich da eingelassen? Ich will das Musical «Cats» loben – und weiss ganz genau, was jetzt kommt: Wie die blödeste Katze steht man da, komplett aus der Zeit gefallen. Denn wer will heute noch Lycrakostüme und Stulpen auf der Bühne sehen? Die Achtziger sind ja so was von vorbei – wie diese Aerobic mit angehängtem Katzenschwanz. Einen Schlag bekommt man allein schon durch den synthetischen Stoff, so aufgeladen ist diese ganze Geschichte über das Leben der Katzen, die ein bisschen wie Menschen sind.

Und doch: Der Funke springt über. Hier eine Anekdote, die diesen Zauber des Musicals zeigt: Es war in den Neunzigern in Budapest. Wir waren eine Gruppe von Menschen, die aus vielen Ländern kamen. Auf dem Weg zu einem Café begannen auf einmal die Frauen, das Lied der Katze Grizabella zu singen, alle kannten den Text – und wohl auch den Traum: «Let the Memory Live Again». Man versteht sich in «Cats». Manchmal kommt der Mensch eben auf die Katze, wenn es um eine verbindende Vorstellung geht. Diese Kunst funktioniert noch immer. Also nichts wie hin: in dieses Land der Erinnerung. (bu)

Kontra

Eines vorweg: Ich mag Katzen. Ich mag Ohrwürmer und die 80er und sogar Ganzkörpertrikots. Aber dieses Musical, das muss jetzt echt mal aufhören. Ich muss es wissen: Als ich zarte 13 war und meine Gspäändli Bon Jovi und Roxette hörten, flitzte ich in jeder Mittagspause zu Jecklin an den CD-Player und hörte Cats. Je-den Mit-tag! Ich liebte sie alle: den Gangster Macavity, den durchgeknallten Rum-Tum-Tugger, das schlitzohrige Duo Mungojerrie & Rumpelteazer. (Und bis heute weiss ich, dass Andrew Lloyd Webber am 22. März Geburtstag hat.) Was war ich aus dem Häuschen, als die Katzen dann live nach Züri-Oerlikon kamen. Ich sparte für ein Ticket in der vordersten Reihe, und als ich dann dort sass: Die volle Pleite! Die Bühne popelig, die Akustik ziepte im Ohr, aber das Schlimmste war: Nach der vierten Katze war ich – bedient. Irgendwie hatte ich mir just diesen Moment ausgesucht, um zu begreifen, dass Grandezza anders geht. Zugegeben: 38 Jahre nach ihrer Erfindung sind die Cats immer noch da; muss man erst mal schaffen. Aber sie sind schlecht gealtert. Ich sage: Lasst die staubigen Muschis in der Schublade – und hört stattdessen Bon Jovi. (psz)

Di 12.2. — 19.30 Uhr / Mi 13.2. — 18.30 Uhr Theater 11 Thurgauerstr. 7 Eintritt 48–138 Franken Bis 24.2.www.musical.ch

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