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Chronist des Moments

Der Fotograf Christian Altorfer begleitet das Theater Spektakel seit den Anfängen. Seine Bilder zeigen die Geschichte.

Christian Altorfer
Christian Altorfer
Christian Altorfer
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Dieses Jahr wird Christian Altorfer mit der S-Bahn ans Theater Spektakel ­fahren, Oerlikon–Wollishofen, direkte Verbindung. Im Gepäck eine ­Kamera, zwei Objektive, so wird er auf dem Gelände arbeiten, hinter und vor der Bühne. 40 Jahre ist er jetzt unterwegs als Fotograf des Theater Spektakels, seit den Anfängen hat er das ­Festival ­begleitet. Sonst fuhr er immer mit dem Velo hin, in diesem Sommer ist es ­anders. Er hat eine kleine Operation hinter sich.

Und doch ist es immer der gleiche Sommer. Und die gleiche Idee. Wie damals, 1980, als alles begonnen hat, mit Christian Altorfer und dem Theater Spektakel. «Geh doch nach Wollishofen, da machen sie was auf der Wiese», sagte man ihm. Er fuhr hin. Sah eine Baubaracke, drei Zirkuszelte. Er fragte: «Kann ich fotografieren?» Und die Menschen, die das Festival organisierten, sagten: «Klar, da hast du einen Pass.»

Zuerst die Leidenschaft, dann der Beruf

Altorfer fotografierte alles, was er damals sah: Farid Chopel aus Algerien, Zampanoo’s Variété aus der Schweiz, Le Grand Cirque Magique aus Frankreich, auch die Menschen backstage und auf der Wiese. «Es hat den ganzen Sommer durchgeschifft», erinnert sich Altorfer. «Und eigentlich hat sich keine Sau für meine Arbeit interessiert.» Aber er war wieder angekommen auf seinem eigenen Gebiet, es ist das Unterwegssein mit dem Theater.

Bevor Altorfer sich entschloss, Fotograf zu werden, hatte er Franz Hohler durch Deutschland begleitet. Dann Dimitri auf seinen Tourneen in Amerika. Auch Mummenschanz. Zum Theater gehören immer die Menschen, die Vorhänge aufziehen, das Licht einrichten, die Plätze anweisen, Glace verkaufen. Das hat Altorfer alles getan. Mit dieser Erfahrung macht er seine Fotos.

«Theaterfotografie ist Dokumentarfotografie», sagt Christian Altorfer. So ist er der Chronist des Theater-Spektakel-Moments geworden – mit Blick auch für die Geschichten am Rand. Viele Menschen haben die Fotografien als Erinnerung wieder nach Hause getragen. Das Publikum konnte sie am Aushang per Formular bestellen. «Manche sind zwei Stunden dagesessen und haben Fotos rausgesucht», sagt der Fotograf. So geht es uns auch heute, wenn er über seine Sommer am Spektakel spricht.

Das Auge des Festivals

Sein Archiv bringt die Zeit zurück. 1980: die Marthaler-Crew! 1987: Peter Brook! 1985: Fura dels Baus! 1990: Alain Platel und Les ­Ballets C de la B! So geht es immer weiter bis zur Gegenwart. Wir sehen, wie sich das Theater Spektakel in der Fotografie verändert hat. Bis 2000 war es schwarzweiss, dann wurde alles ­farbig, jetzt sind die Bilder digital – eine schöne Auswahl findet sich auf der Spektakel-Webseite. Doch das Auge, das dieses Theater gesehen hat, ist das gleiche ­geblieben.

Viele Zusammenhänge erschliessen sich, wenn man das Material genau betrachtet. In einem Bild kann eine ganze Vorstellung sein. «Vieles habe ich vom Stück erst begriffen, nachdem ich die Fotos angeschaut habe», sagt Altorfer. Ihm fallen auch Sachen auf, die andere nicht sehen. Mit der Zeit sind die Bilder ein Teil seines Lebens geworden, wie auch das Theater Spektakel. Und Altorfer wird wieder da sein, wie er immer da gewesen ist. Nur, eben: Diesmal kommt er mit dem Zug.

Ab Do 15.8. Landiwiesewww.theaterspektakel.ch

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