«Das frustriert natürlich»

Regisseurin Anna Papst hat sich von einer Schulklasse ein Stück und dessen Umsetzung vorschreiben lassen. Warum?

Immer wieder werden Aufnahmen des Entstehungsprozesses projiziert.

Immer wieder werden Aufnahmen des Entstehungsprozesses projiziert.

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Ihr neustes Stück haben Sie mit 25 Badener Jugendlichen erarbeitet. Wieso?
Wir haben gemerkt, dass Jugendliche Theater kaum beeinflussen. Zwar besuchen Maturaklassen die Aufführungen von Klassikern. Aber danach ­erklären ihnen die Macher, wie sie es verstehen müssen. Wir möchten Teenager ernst nehmen und fragen, was sie gerne sehen würden. Deshalb haben wir eine Schulklasse gesucht. Erst hat sie sich für eine Frage entschieden, die sie beschäftigt: «Wie werde ich beeinflusst?» Dann haben wir ihr Stücke aus verschiedenen Epochen zur Auswahl gegeben.

Die Klasse hat sich für den zeitgenössischen «Foxfinder» entschieden. Warum?
Den Jugendlichen war es wichtig, dass ihnen die Sprache nah ist. Sie wollten sie nicht noch ins Heute übersetzen müssen. Ich hätte auch gerne «Ödipus» inszeniert – aber dazu wäre sicher mehr Vermittlung nötig gewesen. «Foxfinder» von Dawn King konnte die Klasse relativ selbstständig lesen.

Die Teenager haben auch die ästhetische Umsetzung bestimmt.
Wir sind überrascht, wie konventionell das Stück geworden ist. Andere Inszenierungen von mir sind viel weniger naturalistisch. Auf Abstraktion und Symbolik standen unsere Jugendlichen aber nicht. Es war ihnen wichtig, dass beispiels­weise die Kostüme so detailgetreu sind wie in einem Film.

Führte das nicht zu Enttäuschungen?
Doch. Die Jugendlichen wollten zwei Zimmer, Wald und Betten als Bühnenbild nebeneinander aufbauen. Das hatte aber keinen Platz. Kurzfristig frustrierte das natürlich. Aber mit dem Resultat sind sie sehr zufrieden. Sie sagen klar: «Das ist unser Stück.» Das war auch unser Ziel.

Und dass die Jugendlichen mehr ins Theater gehen?
Es gibt ein paar, die es gepackt hat. Alle haben jedoch die Berührungsängste, die auch viele Erwachsene haben, verloren. Sie denken jetzt nicht mehr, dass sie die Klassiker sowieso nicht ­verstehen oder sich vorbereiten müssen. Sondern gehen so entspannt ins Theater wie ins Kino.

Theater Winkelwiese (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.03.2018, 14:50 Uhr

Zum Stück

«Foxfinder» von Dawn King setzt sich mit Fundamentalismus aus­einander: Eine ländliche Region Englands steckt in der Wirtschaftskrise. Als auch auf der Farm des Ehepaars Covey die Ernte ausfällt, übernimmt William Bloor die Ermittlungen. Er ist ein «Foxfinder», sein Todfeind ist der Fuchs. Dieser soll an allem Elend schuld sein.

Anna Papst

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