Das ist neu auf Zürichs Bühnen

Führung beim Neumarkt, mehr Diversität im Schauspielhaus und ein neues Tanzhaus: die Übersicht der Veränderungen.

Auffälliger Bau: Die neuen Räume des Tanzhaus sind ein Hingucker.

Auffälliger Bau: Die neuen Räume des Tanzhaus sind ein Hingucker. Bild: Simon Menges

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Schauspielhaus
Pfauen / Schiffbau
www.schauspielhaus.ch

Neu: Die Intendanten Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg. Acht Hausregisseurinnen und -regisseure von überallher: aus Vilnius, Athen, Los Angeles, Basel, Berlin. Spielplaninfos auf Deutsch und Englisch. Mehr Diversität. Ein 35-köpfiges Ensemble, dabei auch der Schauspieler des Jahres, Nils Kahnwald, und Asma Maroof aus L.A., die als DJ Asmara eine Partyreihe mitbringt. Es gibt mehr als 15 Jahre nach Meg Stuart im Schauspielhaus wieder Tanz. Das Theaterabo ist jetzt flexibler. Und einmal im Monat heisst es: Zahlen Sie, so viel Sie wollen.

Die Fassade des Schauspielhauses: Drinnen tut sich wieder etwas. Foto: Reto Oeschger

Was bleibt: «So vieles, denn darum geht es», sagt Benjamin von Blomberg, «das, was bereits da ist, nicht zu verdrängen, sondern zu öffnen; also mit einem Haus aus 350 Mitarbeitenden sich auch weiterhin zu fragen, was kann/muss Theater heute sein und wem alles wollen wir es zugänglich machen.» Immer noch da sind alte Bekannte wie Lena Schwarz, Michael Neuenschwander, Gottfried Breitfuss, Christoph Marthaler, Milo Rau.

Bar: Im Schiffbau ist alles beim Alten. Anders im Pfauen: Es wurde verändert, was verändert werden konnte: leuchtendes Gelb an den Wänden, mehr Sitzgelegenheiten, eine grössere Bar. «Wir haben durchgelüftet», sagt von Blomberg. «Und bei den Umbauarbeiten neben asbesthaltigen Schadstoffen unterm Teppich auch wunderbare Dinge wiederentdeckt, zum Beispiel einen Wandspruch aus Marthalers Zeiten.»

Motto: Das persönliche von Co-Intendant Benjamin von Blomberg lautet: «Es ist alles da.»

Programmtipps:

  • «Der erste fiese Typ». Eine eindringliche Liebesgeschichte nach Miranda July vom Regisseur des Jahres 2019, Christopher Rüping. Ab 12.9.
  • «Schneewittchen». Nicolas Stemann konfrontiert das Märchen mit kindlichen Lebenswelten von heute. Ab 10.11.
  • «Das Weinen (Das Wähnen)». Marthaler arbeitet mit Texten von Dieter Roth. Ab 14.3.20

Eröffnungsmarathon
Fünf Tage mit ausgewählten Inszenierungen aller acht HausregisseurInnen und Party.
Mi 11.– So 15.9.

NeumarktTheater Neumarkt, Neumarkt 5
www.theaterneumarkt.ch

Neu: Das Ensemble aus darstellenden Künstlerinnen und Künstlern mit unterschiedlichen Werdegängen, Arbeitsweisen und Erfahrungen. Drei Sparten für ein Unbedingtes Theater (Theater, Playground, Akademie). Zusammenarbeiten mit Kunstschaffenden aus anderen Disziplinen. Ein Sounding Board aus Bürgerinnen der Stadt, sozusagen als Echokammer. Ein modularer Bühnenraum, der die bewegte Geschichte des Orts freilegt und flexible Zuschauersituationen erlaubt. Die dreiköpfige Leitung, Hayat Erdogan, Tine Milz, Julia Reichert. Ein Residenzformat in der Chorgasse. Vier Tauben im Ensemble.

Was bleibt: Eine treue, eigensinnige Mitarbeiterschaft im Haus und in den Werkstätten auf der Werdinsel. Die Domain www.theaterneumarkt.ch. Das Neumarkt als Versammlungsort, Ort des Experiments in der Stadt und des zeitgenössischen Theaters. Die Hottinger Literaturgespräche (ab 24.9.). Zusammenarbeiten mit Partnerinnen und Partnern in und ausserhalb der Stadt (Zürich liest, Unerhört, Milchjugend und vieles andere mehr).

Bar: Es ist und bleibt die Bar mit dem besten Negroni der Stadt.

Motto: «Love Play Fight» lautet die Parole, nicht als ­Saisonmotto, sondern als Schlachtruf, Glaubensbekenntnis und Einladung an Stadt und Künstler, sagt das Neumarkt.

Programmtipps:

  • Monatliche «Akademie zur Verarbeitung von Enttäuschungen der Vernunft». Ab 21.9.
  • Folge 1: Exploit us, mit Klitclique und Robert Pfaller Schweizer Propagandakonferenz, mit Reden, Vorträgen, Performances. 27. bis 29.9.
  • Kostümdrama «Measure for Pleasure», eine Feier des lustvollen Lebens in Begehren, Verausgabung und Rausch von Benny Claessens mit Teresa Vittucci und Rob Fordeyn. Ab 4.10.
  • Zürcher Kinder- und Jugendstück «Kids No Nation – K.O.N.N.» in der Regie von Dominik Locher. Ab 5.12.

«They Shoot Horses, Don’t They?» Performance im HB (ab Fr 6.9.); Premiere der Haus-Version im Theater Neumarkt Mi 18.9.
Open House Sa 21.9.

TanzhausTanzhaus, Wasserwerkstr. 127a
www.tanzhaus-zuerich.ch

Neu: Die Stararchitekten Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga haben das auffällige Gebäude mit den dreieckigen Fenstern in den Hang gebaut. Der beeindruckende Betonbau bietet mit drei Studios und einem Aufführungssaal mehr Platz für den zeitgenössischen Tanz unter einem Dach. Erstmals hat das Haus seine eigene Tanzcompagnie. The Field besteht aus sechs Tänzerninnen und Tänzern; im März wird das erste Stück gezeigt. Neu sind auch die regelmässigen Open Classes für Laien, ob Voguing oder Urban Dance, einfach vorbeikommen, heisst es. Neben einem Zuhause für die hiesige Szene will das neue Tanzhaus ein Begegnungsort fürs Quartier werden.

In neuem Look: Das neue Tanzhaus mit seinen auffälligen Fenstern. Foto: Simon Menges

Was bleibt: Trotz mehr Platz wird die Zahl der öffentlichen Aufführungen gleich bleiben. Die ganz grossen Stars wird man hier auch weiterhin vergeblich suchen, denn das Tanzhaus war und ist unter der Leitung von Catja Loepfe primär für den Tanznachwuchs zuständig. Es ist ein Treffpunkt für die zeitgenössische Tanzszene, bietet Trainings an und stellt günstigen Proberaum zur Verfügung.

Bar: Mit dem neuen Gebäude kommt auch eine neue, gut sortierte Bar ins Foyer. Abends kann im Nude vor und nach der Vorstellung getrunken, tagsüber können hier mit traumhaftem Blick auf die Limmat Kaffee und kleinere Gerichte von der Bistrokarte genossen werden.

Motto: «Wir wollen das Zentrum für zeitgenössischen Tanz in der Deutschschweiz werden. Wer an zeitgenössischen Tanz denkt, wird ans Tanzhaus Zürich denken.»

Programmtipps:

  • «Show-Off». Plattform für Kurzstücke und Möglichkeit für Entdeckungen. ­27.–29.10.
  • «The Best and Worst of Us». Reenactment von Simone Aughterlonys Stück von 2008. Mit der Tanzhaus-Compagnie The Field. Ab 30.3.20
  • «Alle Augen Staunen». Lea Moro lädt Kinder in eine Fantasietanzlandschaft ein. Ab 3.7.20

Eröffnungsfest
Performances, Videoinstallationen, Kurzfilme u. a.
Fr 6.–So 8.9.

Erstellt: 04.09.2019, 16:44 Uhr

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