«Das Ziel ist noch nicht erreicht»

Franz Hohlers neues Stück «Cafeteria» entstand als Auftragsarbeit für das Theater Überland. Der Schriftsteller über das Stück und Politik.

Hat ein neues Stück geschrieben: Schriftsteller Franz Hohler.

Hat ein neues Stück geschrieben: Schriftsteller Franz Hohler. Bild: Dominique Meienberger

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Warum schreiben Sie neben Ihren Büchern nur noch alle paar Jahre ein Theaterstück?
Ich freue mich, wenn jemand fragt: «Hättest du nicht ein Stück für uns?», aber das passiert relativ selten. Ich biete einfach nicht mehr so gern etwas an.

Wieso das?
Als 75-jähriger Rentner fühle ich mich dann wie ein Banker, der mit 58 noch eine neue Stelle sucht.

Apropos Bank: Die Komödie «Cafeteria» spielt ebendort, und es geht um die Frauenquote in Führungspositionen. Warum dieses Thema?
Es ist ganz klar, dass es zu wenige Frauen in Führungspositionen gibt, und es mehr geben sollte. Das Stück ist aber auch eine Parodie aufs Bankenwesen, auf diese unverständliche Anlagensprache, auf die Handlungsweisen: Die Filiale einer Grossbank bekommt die Weisung, möglichst rasch Frauen in höhere Positionen zu hieven. Die einzige, die sie befördern können, ist die Kassiererin Leni Miescher, die wird kurzerhand zur Chefin der Cafeteria ernannt.

Leni Miescher steigt dann sogar zur Chefin der Bank auf, sitzt am Ende aber wieder an der Kasse. Können es die Männer doch besser?
Das würde ich so nicht sagen. Sie macht eigentlich ganz vernünftige Überlegungen und kommt völlig ohne diese Anlagesprache aus. Deshalb hat sie auch Erfolg. Schliesslich scheitert sie am Bankenwesen an sich. Es ist ein männliches System, das von Männern dominiert wird. Das wird eigentlich parodiert in der Komödie.

Sie sind ein sehr politischer Mensch, was ist Ihre persönliche Meinung zum Thema Gleichstellung?
Gerade jetzt wieder hat man Zahlen veröffentlicht, dass Frauen in gleichen Positionen wie Männer immer noch nicht gleich viel verdienen. Was ich absolut skandalös finde. Ich denke, da sind wir immer noch auf der Aufholspur. Wir sollten uns auch immer wieder bewusst machen, dass das Ziel noch nicht erreicht ist.

Fr 8.2./ Sa 9.2. — 20 Uhr / So 10.2. — 17 Uhr
Bernhard Theater
Sechseläutenplatz 1
Eintritt 40–65 Franken
www.bernhard-theater.ch

Erstellt: 07.02.2019, 13:04 Uhr

«Cafeteria»

In Hohlers neustem Stück geht es um die Kantinenmitarbeiterin einer Bank, die befördert wird. Das hat Folgen – auch für die obere Etage. «Cafeteria» entstand als Auftragsarbeit für das Theater Überland. Die Inszenierung ist nun an drei Abenden in Zürich zu sehen.

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