Der Chor der Unnützen

In Winterthur kommt Katja Brunners gefeiertes Stück «Geister sind auch nur Menschen» zur Aufführung. Eine sprachgewaltige Abrechnung mit dem Altern und dem Umgang damit.

Ursula Reiter, Wanda Wylowa und Doris Strütt (v.l.) erzählen vom Altsein.

Ursula Reiter, Wanda Wylowa und Doris Strütt (v.l.) erzählen vom Altsein.

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Begeisterungsstürme: So kann man das wohl nennen, was nach der Uraufführung von Katja Brunners Theaterstück losbrach. «Geister sind auch nur Menschen» wurde 2015 am Theater Luzern uraufgeführt. «Der Hammer» schrieb «Der Spiegel». Und meinte damit die Inszenierung, aber besonders Brunners Dramentext.

Ihr Stück ist eine Wutrede derer, die der Gesellschaft im Weg rumstehen. Die Alten, für deren Betreuung der jungen Generation die Zeit und die Nerven fehlen. Weswegen sie dann im vermeintlich beidseitigen Einverständnis in Heime abgeschoben werden, wo sie «benahrungsmittelt» werden, und nicht funktionale Berührungen eine Seltenheit sind. Wo sie um ein Bier betteln müssen, und «Eigenverantwortung heisst, man soll sich arrangieren und nicht beschweren».

Katja Brunner, geboren 1991 in Zürich, sorgte bereits mit ihrem Debüt «Von den Beinen zu kurz» für Beachtung. Darin ging es um Kindesmissbrauch, eingefangen in ­poetische Wortkaskaden. 2013 bekam sie dafür den Mühlheimer Dramatikerpreis, und von der Fachzeitschrift «Theater heute» wurde sie zur besten Nachwuchsautorin ­gewählt. Unlängst kam ihr Stück «Den Schlächtern ist kalt» am Schauspielhaus zur Uraufführung. Darin prangert sie den, wie sie es gegenüber dem «Züritipp» nannte, «Unschuldskult» der Schweiz im Zusammenhang mit dem Dritten Reich an.

«Geister sind auch nur Menschen» ist ebenfalls eine Abrechnung. Ein so seltsam poetischer wie kunstvoll bissiger Text ohne wirklich festgeschriebene Figuren. Immer wieder treten aus ihm einzelne Stimmen hervor. Auch in der Inszenierung für drei Schauspielerinnen von Regisseurin Doris Strütt wird das so sein: Frau Heisingers ­Inneres, Frau Simplon, Pflegekräfte und Pflegekraftschwächen und ein Arsenal von Alten.

Die sagen dann diese so wahren wie beklemmenden Sätze: «Da warten wir also und der einzige erlaubte Wunsch noch, dass da jemand ist, der einem mal über das Handgelenk streicht, wenn man im Endesuchen begriffen ist, der einem so eine Wärme zu verspüren gibt, jemand, der sagt: Ja, ich bin da, ja, ich sehe, wie du siehst, ich sehe, was du denkst, ich fühle, dass du fühlst.»

Winterthur, KellerTheater
Marktgasse 53 www.kellertheater-winterthur.ch
Sa (Premiere) / Mi 20 Uhr, So 17:30 Uhr
Eintritt 35 / 15 Franken Bis 17.6.

Erstellt: 30.05.2018, 14:33 Uhr

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