Der Mann für Wunder auf der Bühne

Als «poetisches Nilpferd» wurde Benny Claessens beschrieben. Wir haben den Schauspieler des Jahres 2018 getroffen.

«Alles, was ich mache, hat mit meinem Leben zu tun»: Schauspieler Benny Claessens.

«Alles, was ich mache, hat mit meinem Leben zu tun»: Schauspieler Benny Claessens. Bild: Andrea Zahler

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Es gibt einen Satz, den sagt Benny Claessens öfters im Gespräch, und er sagt dann auf Englisch: «I would prefer not to» – ich möchte lieber nicht. Er möchte zum Beispiel nicht, dass man ihn auf der Bühne zu seiner neuen Produktion «Measure for Pleasure» im Neumarkt fotografiert. Also: kein Bild mit der Badewanne, die in der Ecke steht, auch keines mit den Vorhängen, die gerade montiert werden.

Denn tabu ist für den Augenblick der Theatersaal, als berge er in sich ein Geheimnis. O. k. ist aber die Bar im Parterre. Dort sitzt dann Claessens für die Foto­grafin Modell. Er schaut ein bisschen wie der Harlekin aus dem Watteau-Gemälde, den man in die Neuzeit katapultiert hat: weite Kleider, anrührender Blick, Tasche aus Plastik. Und den Rahmen, so scheint es, gibt er sich gleich selber.

Starker Eindruck auf der Bühne

So hat man den Schauspieler Claessens auf der Bühne gesehen, zum Beispiel an den Münchner Kammerspielen, in der Zeit der Intendanz von Johan Simons. Er hatte dort keinen leichten Anfang. Es heisst, ein Teil des Publikums sei von seiner schieren Präsenz auf der Bühne überfordert gewesen. Bald aber hat man ihn lieb gewonnen, nicht nur in München, gerade wegen seines körperlichen Spiels.

Die «Süddeutsche Zeitung» schrieb zu seinem Abschied: «Ein poetisches Nilpferd, grazil wie die Fee, ein gutmütiges Reittier, so agil wie ein Derwisch, vor allem ein Körpermedium der Liebe.» Das alles machte Benny Claessens, der Mann für Wunder auf der Bühne, 2018 zum Schauspieler des Jahres.

Im Neumarkt tritt er jetzt als Regisseur auf. Vor einem Jahr hat er an der Gessnerallee «The Last Goodbye» gezeigt. «Measure for Pleasure» wird der Abschluss seiner «Period Pieces» sein. Das Stück nimmt die Geschichte des Ortes auf. Hier am Neumarkt Nr. 5 lernten einst ­Zürichs höhere Töchter «mit Verstand lesen, ­leserlich und ordentlich schreiben und so viel rechnen, als ein Frauenzimmer davon verstehen muss». Lieber nicht so, sagt Claessens und sprengt das Korsett der Vergangenheit. Keine Frau, kein Mann müssen in seinem Theater so tun, als fügten sie sich in eine Rolle.

Schritt für Schritt in die Zukunft

Das ist der Gang in die Zukunft. Und eine Lektion für die Gegenwart. In der Schauspielschule in Antwerpen wurde Claessens bei­gebracht, wie ein Mann zu gehen hat. Später sah er, dass kein Mann so geht, wie ein Mann in der Vorstellung zu gehen hat – «man würde ­glauben, der hat einen Knall». In «Measure for Pleasure» dürfen die zwei Figuren auf der Bühne auch mal sagen: lieber nicht – und einfach mit sich Spass haben.

Und dann erzählt Benny Claessens noch vom Killerwal in der Sea World von Orlando, der manchmal lieber in seinem Bassin einen ­Pelikan reisst als auf Kommando Kunststücke zu ­machen. So muss man sich das Theater vorstellen. Dass es oft besser ist, nicht einfach das zu machen, was die Leute wollen. Es ist eine Befreiung.

Theater Neumarkt
Fr 4.10. / Sa 5.10. / Mi 9.10. — 20 Uhr
Neumarkt 5
www.theaterneumarkt.ch

Eintritt 45 Franken Bis 12.10.
Englischsprachige Einführungen am Mi 9.10 und Do 10.10.

Erstellt: 05.10.2019, 13:08 Uhr

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