Der Provokateur

Matias Faldbakken sorgte mit seinem Roman «The Cocka Hola Company», der in der Pornoindustrie spielt, für Aufregung. Jetzt legt er nach.

Er will sich nicht für eine Sparte entscheiden, auch wenn er damit riskiert, nicht immer ernst genommen zu werden.

Er will sich nicht für eine Sparte entscheiden, auch wenn er damit riskiert, nicht immer ernst genommen zu werden. Bild: Erik Weiss

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Misanthropie, die. Synonym: Menschenhass, der. Matias Faldbakkens Trilogie, die mit «The Cocka Hola Company» vor 18 Jahren ihren Anfang nahm und nach der Veröffentlichung aufgrund der Härte und Deftigkeit – in den Hauptrollen: anarchistische Pornoregisseure – hohe Wellen schlug, ist voll davon. Gewalt, Pädophilie und Konsumkritik sind Themen im zweiten Teil «Macht und Rebell», im dritten Teil «Unfun» rechnet der Norweger mit dem Konzept Familie ab.

Mit seiner «Skandinavischen Misanthropie», wie seine Trilogie auch heisst, wurde Faldbakken zum Skandalautor; solche heftigen Inhalte – da ging es um missratene Cum­shots und Masturbation mit einer Salatgurke – hatte Norwegen zuvor noch nicht gelesen. Dabei ist der 45-Jährige eigentlich bildender Künstler.

«Das Schreiben war ein natürlicher Schritt»Matias Faldbakken

Anruf nach Norwegen, wo sich Faldbakken gerade etwas atemlos durch den Schnee kämpft. Er sei nach seiner Ausbildung zum Künstler – er hat im norwegischen Bergen und an der Städelschule in Frankfurt studiert – so desillusioniert gewesen, dass er der Kunstwelt vorerst den Rücken kehrte. «Das Schreiben war ein natürlicher Schritt», sagt Faldbakken. Weshalb genau, kann er auch nicht erklären.

Nur wer ihn nicht inspirierte, kann Faldbakken entschieden sagen: sein Vater. Das überrascht, denn der ist der bekannte Romancier Knut Faldbakken. Schon als Kind habe er lieber gezeichnet als geschrieben, sagt Faldbakken Junior. Und weil er später nicht auf seinen berühmten Nachnamen reduziert werden wollte, schrieb er seine ersten Bücher unter dem Pseudonym Abo Rasul.

Nach der Veröffentlichung von «The Cocka Hola Company» kehrte Faldbakken zurück zur Kunst – und zwar äusserst erfolgreich: Seine Konzeptkunst war an der Documenta 13 in Kassel und an der Art Basel Unlimited zu sehen, er wird vertreten durch die renommierte Galerie Presenhuber.

«Negativismus und negative Gefühle habe ich immer als produktiv empfunden»Matias Faldbakken

Wie seine Romane verstören auch seine Kunstwerke. Sie sind von Gewalt und Beklemmung gezeichnet und attackieren die Gesellschaft, die Konsens- und auch die Konsumkultur: Faldbakken beschmiert und zertrümmert industrielle Objekte wie Benzinkanister, Abfallcontainer und Metallspinde oder verteilt 20 000 leere Pistolenpatronen im Galerieraum.

Jedes Mal, wenn er den institutionellen Regeln des Kunstmarkts entfliehen will, schreibt er. Zuletzt «The Hills». Der Roman spielt in einem noblen Osloer Restaurant, das mit seinem Art-nouveau-Dekor Stabilität vermittelt – doch natürlich kippt die Stimmung bereits nach wenigen Seiten, und ­Themen wie Sexismus, Rassismus, Macht und Wahnsinn treten in den Vordergrund.

Ist Faldbakken also ein Misanthrop oder einfach ein Provokateur? «Negativismus und negative Gefühle habe ich immer als produktiv empfunden, egal, in welcher Sparte», sagt er, inzwischen mit dem Telefon zu Hause in der Wärme angekommen. «Zum einen als Ventil für Wut, vor allem aber, weil mich seit jeher die ­Haltung des Feinds interessiert.»

Di 19.3. — 19.30 Uhr
Literaturhaus
Limmatquai 62
Eintritt 20 Franken
www.literaturhaus.ch

Erstellt: 13.03.2019, 15:08 Uhr

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