Der Unverfrorene

Alexander Scheer gilt als einer der besten Schauspieler unserer Zeit. Jetzt spielt er wieder in Zürich – vor der Kulisse des Sexkino Rolands.

Eine Kulisse, die für das Stück nachgebaut wurde: Alexander Scheer vor dem Roland-Kino an der Langstrasse.

Eine Kulisse, die für das Stück nachgebaut wurde: Alexander Scheer vor dem Roland-Kino an der Langstrasse. Bild: Raphael Hadad

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Drahtiger Körper, markante Nase,eingefallenes Gesicht: Er ist keine klassische Schönheit, aber ein Mann, den man so schnell nicht mehr vergisst. Doch nicht nur deshalb ist Alexander Scheer schon lange im Geschäft.

Der Durchbruch gelang dem heute 42-Jährigen 1999 mit dem Kultfilm «Sonnenallee». Und ein Film, der ebenfalls in der DDR spielt, war es auch, mit dem Scheer und seine markanten Gesichtszüge letztes Jahr endgültig beim breiten Publikum hängen blieb: In «Gundermann» spielte er den Baggerfahrer und späteren Rockmusiker GerhardRüdiger Gundermann. Für die Rolle wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet und gilt als Favorit für den diesjährigen Deutschen Filmpreis.

Kindliche Unangepasstheit

Die Musik, sie begleitet Scheer in seiner Schauspielerkarriere schon lange. Er spielte Keith Richards im Uschi-Obermaier-Biopic «Das wilde Leben», singt aktuell am Hamburger Schauspielhaus in David Bowies Stück «Lazarus» die Songs des Briten. Auch als Scheer das letzte Mal in Zürich auf der Bühne stand, war die Musik ebenfalls wichtig.

2007 rezitierte und sang er im Ein-Mann-Stück «The Iron Curtain Star» Texte von Rolf Dieter Brinkmann. Der «glamouröse Jungstar des deutschen Pop­theaters», wie der «Tages-Anzeiger» damals schrieb, ist mittlerweile ein gestandener Schauspieler geworden, der wie sein Kollege Lars Eidinger zu den interessantesten Figuren deutschsprachigen Kinos und Theaters gehören. Doch seine bübische Leichtigkeit und kindliche Unangepasstheit hat er sich bewahrt. Das wird nicht nur in seinem Spiel auf Bühne und Leinwand deutlich, sondern vor allem auch, wenn man ihm beim Reden in Interviews oder an Ansprachen zuhört.

Mit diesem 90er-Kultfilm wurde Scheer bekannt: «Sonnenallee». Video: YouTube/moviemaniacsDE

Dass der gebürtige Ostberliner nun wieder in Zürich auf der Bühne zu sehen ist – auf der Kinoleinwand ist er aktuell ebenfalls; neben Keira Knightley in «The Aftermath» – ist Frank Castorf zu verdanken. «Justiz» ist die sechste Inszenierung in Zürich des legendären, ehemaligen Volksbühne-Intendanten, und zum unzähligsten Mal arbeitet er mit Scheer. Denn der war während der Ära Castorf ein fester Teil der Volksbühne-Crew.

Der «Anti-Schweighöfer»

Der Versuch, Alexander Scheer vor der Zürcher Premiere persönlich zu treffen, scheiterte. Er kämpfe noch mit dem Text, liess er sich entschuldigen. Und auf schriftliche Fragen nach Zürich und Dürrenmatt antwortet er per E-Mail, er kenne den wichtigen Schriftsteller und die Stadt zu wenig, um spannende Antworten zu geben – für diese müsste er lügen und dazu fehle ihm die Zeit.

Auch hier blitzt er durch, der scheersche Schalk. Das «Zeit Magazin» bezeichnete ihn deshalb kürzlich treffenderweise als den «Anti-Schweighöfer», also als Gegenthese zum gefälligen Everybody’s Darling Matthias Schweighöfer – gewiss ein Kompliment.

Sa 13.4. (Premiere, ausverkauft) bis Mo 27.5.
Pfauen
Rämistr. 34
Eintritt: 23–54 Franken
www.schauspielhaus.ch

(Züritipp)

Erstellt: 11.04.2019, 09:32 Uhr

Sexkino im Pfauen

«Justiz», von Frank Castorf, nach dem Roman von Friedrich Dürrenmatt

Zum ersten Mal inszeniert Frank Castorf einen Stoff von Friedrich Dürrenmatt. Im 1985 erschienenen Kriminal­roman geht es um einen desillusionierten Anwalt (gespielt von Alexander Scheer), einen Kantonsrat, der einen Professor erschoss und die darauffolgenden Prozesse. Es ist eine der Geschichten Dürrenmatts, die mitten in Zürich spielt – weshalb sich Bühnenbildner Aleksandar Deni? entschieden hat, das Bellevue, den Corbusier-Pavillon und das Sexkino Roland nachzubauen. Dass er aus­gerechnet das Roland auf die Pfauen-Bühne bringt, erklärt Deni? damit, dass er nicht eine beliebige Puffsituation (zahl­reiche Szenen spielen im Rotlichtmilieu), sondern für Zürich relevante Orte mit ­Wiedererkennungswert zeigen wollte. (aho)

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