«Die Leute lachen gerne über Zürcher»

Kaya Yanars aktuelles Programm dreht sich um die Schweiz. Der deutsche Comedian über Zürcher Eigenheiten.

Der Comedian, bekannt aus der Sat1-Sendung  «Was  guckst du?», glaubt nicht, dass er Rassisten bekehren kann.

Der Comedian, bekannt aus der Sat1-Sendung «Was guckst du?», glaubt nicht, dass er Rassisten bekehren kann.

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Können wir das Interview auf Schweizerdeutsch führen?
Bis jetzt habe ich alles verstanden, was Sie gesagt haben. Basler, Zürcher oder Luzerner verstehe ich gut. In anderen Regionen wirds schwierig, im Wallis versteh ich gar nichts mehr.

In einem alten Sketch haben Sie einmal gesagt, dass Sie Schweizerdeutsch nicht nachmachen könnten. Jetzt haben Sie ein Programm für die Schweiz zusammengestellt. Dann hat sich das also geändert?
Es ist besser geworden. Auch wenn meine Freundin sagt, ich klänge wie ein Schweizer, der Hochdeutsch spricht. Ich rede vielleicht so wie Emil Steinberger.

Verraten Sie uns ein paar Pointen aus Ihrem neuen Programm?
Zum Beispiel, dass ich zur Miete wohne, da ein Haus in der Schweiz so viel kostet wie in Deutschland ein Dorf. Dass die Schweizer Sprache zwar sehr viele fremdsprachige Lehnwörter beinhaltet, wenn sie aber ausgesprochen werden, klingen sie wie mit dem helvetischen Dampfhammer überrollt. Wie Cheminée oder Penalty.

Sie haben sich auch schon über Zürcher lustig gemacht, weil diese stocksteif tanzen würden. Hat sich dieses Bild revidiert in der Zeit, seit der Sie hier leben?
Wenn ich ausserhalb Zürichs spiele, bringe ich die Nummer immer noch manchmal. Denn die Leute ausserhalb Zürichs lachen sehr gerne über die Zürcher. Aber ehrlich gesagt, bin ich gar nicht mehr so oft ausgegangen in letzter Zeit. Ich kann es also nicht genau sagen, ob das noch stimmt oder nicht.

Kommt Zürich auch anders vor in den Sketchs?
Klar. Ich bezeichne Zürich als autofeindlichste Stadt der Welt. Ich habe mal gelesen, dass der Kanton Zürich 600 Blitzer hat. So viel hat, glaube ich, ganz Deutschland nicht. In Zürich wirst du geblitzt, wenn du die Türe zu schnell zuschlägst. So etwa.

Sie arbeiten oft mit Klischees. Warum fahren die Leute darauf ab?
Weil jeder Klischees verinnerlicht hat. Klischees sind per se ja auch nichts Negatives. Die Leute haben ein Abbild der Wirklichkeit im Kopf. Und wenn gewisse Abbilder häufiger auftreten, wird daraus ein Klischee. In dem Moment, in dem man Klischees auf der Bühne anspricht, verlieren sie auch an Zugkraft. Daran glaube ich.

Warum sind Sie Comedian geworden? Waren Sie sowas wie der Klassen-Clown?
Nein, gar nicht. Ich hatte nicht die Unverschämtheit, zu glauben, ich wäre witziger als meine Mitschüler. Deshalb habe ich mich zurückgehalten. Doch meine Freunde brachte ich schon zum Lachen.

Was war dann ausschlaggebend für Sie?
Ein Grund war mein Vater, der nie richtig glücklich war in Deutschland. Ich hatte immer das Gefühl, ich müsste ihn zum Lachen bringen. Als ich 2001, eineinhalb Jahre vor seinem Tod, den Durchbruch mit «Was guckst du?» geschafft hatte, war er unheimlich stolz. Diese ganzen Mühen mit der Migration hatten sich für ihn dann irgendwie ­gelohnt.

Fühlen Sie sich eigentlich wohl in der Rolle als gut integrierter Türke, wie einige Sie nennen?
Das ist lustig. Was ich eigentlich als Comedian beabsichtigte, war, Miete zu zahlen und Frauen kennen zu lernen. Ganz ehrlich. Ich hatte meine Witze übers Frauenanbaggern und über das türkische Milieu gemacht. Doch mit dem Erfolg ist die Sache komplizierter geworden. Plötzlich wollten Journalisten wissen, was ich über Integration denke und warum gewisse Türken besser darin sind als andere. Ich habe mich selber bloss als Deutscher Junge, der Comedy macht, verstanden. Erst die Presse sah in mir den Türken. Man kann scheinbar nicht einfach nur Comedian sein und davon seine Miete zahlen.

Spüren Sie die Verschärfung der politischen Stimmung während der Shows etwa in Ostdeutschland?
In Ostdeutschland kommen traditionell weniger Leute zu meinen Auftritten. Das war aber immer so. Normalerweise spiele ich in so Hallen für 5000 Leute, in Leipzig bin ich froh, wenn 2000 Leute anreisen.

Parteien wie die AfD oder natürlich auch Trump geben nicht nur zu reden, sie liefern den Comedians auch immer viel Stoff. Warum nutzen Sie das nicht mehr?
In Deutschland tue ich das manchmal. Doch wird das Thema schon von den Kollegen sehr oft behandelt, etwa von der «Heute-Show» oder Bülent Ceylan. Kabarett richtet sich ja meistens an jene Leute, die schon ähnlicher Meinung sind. Ich werde mit meiner Show also keinen Rassisten bekehren. Mich langweilt diese Art Comedy mit der Zeit deshalb etwas.

Wenn ein Gag nicht funktioniert, was machen Sie dann? Ich rede dann automatisch sehr viel schneller. Die schlimms­te Aufführung ist ja immer die erste Vorpremiere, wenn die Witze noch nicht erprobt sind. Du fängst dann immer bei null an, egal, ob du schon zwei oder zwanzig Jahre Comedy machst. Gewisse Gags wachsen über Jahre. Ich hatte einst eine kleine Geschichte über meinen ersten Yoga-Unterricht in der Schweiz, die wuchs während einer Tour von wenigen Sätzen zu 15 Minuten heran.

Welches war die unangenehmste Erfahrung auf der Bühne?
Comedy ist generell eine harte Schule. Bevor ich bekannt war, da hatte ich oft Auftritte vor einem sogenannten Abo-Publikum. Vor Leuten also, die in einem Theater eine Jahreskarte haben und dann einfach kommen, um diese herauszuschlagen. Da habe ich auch schon Säle halb leer gespielt. Das ist natürlich unangenehm. Die allerschönste Erfahrung bei der Comedy war es für mich deshalb, als ich mein eigenes Publikum gefunden hatte.

Do bis So, Volkshaus. Eintritt ab 60 Franken 27.2., Theater Winterthur; 4.3., Kurtheater Baden (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2017, 16:57 Uhr

Zur Person

KAYA YANAR (43) geboren in Frankfurt am Main, hat seinen Durchbruch 2001 mit der Comedy-Sendung «Was guckst du?» geschafft. Mit dem deutschen Fernsehpreis erhielt er im selben Jahr die ersten von vielen Auszeichnungen. Derzeit ist der Deutsch-Türke mit Schweizer Wohnsitz mit «Der Reiz der Schweiz» auf Tour.

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