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«Das kommt einem Schatzfund gleich»

Das Ensemble Mutz zeigt eine vergessene Operette und versucht damit auch, den Ruf des Genres zu rehabilitieren. Ein Probenbesuch.

Hotelsekretärin Gritli wird gleich von mehreren Männern umschwärmt.
Hotelsekretärin Gritli wird gleich von mehreren Männern umschwärmt.

Sie gestikuliert, rauft sich die Haare und springt dann auf die Probebühne, um zu zeigen, was sie will. Schnell wird klar, dass Ulla Schlegelberger selbst Schauspielerin ist. «Grüezi – Der wilde Mann», auch bekannt als «Himmelblaue Träume», ist ihre erste Regiearbeit. Es ist die erste grosse Produktion des von ihr mitbegründeten Mutz (Musik & Theater Zürich).

Und darum gehts in der Operette des Wieners Robert Stolz: Ein deutscher Regisseur will einen Film in den Schweizer Bergen drehen, verliebt sich in die Hotelsekretärin, für die aber auch der Direktor und dessen Söhne schwärmen.

Neben Nachwuchssängerinnen wie Patricia Zanella stehen mit Manuel Löwensberger und Hans-Caspar Gattiker auch etablierte Schauspieler auf der Bühne. Dass sich dieses junge Ensemble ausgerechnet einem Genre annimmt, das als verstaubt gilt, mag überraschen. Doch gegen den schlechten Ruf der Operette wehrt sich Schlegelberger: «Die ursprüngliche Idee einer Operette war, dass sie dem Publikum den Spiegel der Realität vorhält und die Wirklichkeit parodiert.» Obwohl die Inszenierung lustig-leicht daherkommt – die überzeichneten Dialekte und die historischen Kostüme machen das beim Probenbesuch deutlich – gibt es einen sarkastischen Subtext. So wird neben der Schweizer Armee auch die deutsch-helvetische Freund- beziehungsweise Feindschaft karikiert.

Auf die Idee gekommen, die Operette zu inszenieren, ist Schlegelbergers Mutter, Opernsängerin Barbara Fuchs. Deren Mutter wiederum spielte in den 50er-Jahren selbst in Stolz’ Stück mit. Doch das war nicht der einzige Grund: «Das Stück wurde vor über 60 Jahren das letzte Mal gezeigt – in der Theaterszene kommt das einem Schatzfund gleich», sagt Ulla Schlegelberger. Dieser Schatz wird jetzt gehegt und gepflegt, sodass die Regisseurin bis tief in die Nacht noch Anweisungen gibt.

Do bis Sa — 20:00 Weisser Wind Oberdorfstr. 20 www.mutz.theater/gruezi Eintritt 35–55 Franken Bis 2.6.

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