«Die Leute regen sich auf, wenn man im Café tanzt»

Choreograf Sebastian Matthias inszeniert oft im öffentlichen Raum. In «people looking at people looking at people» lässt er Tänzer aufs Publikum.

Sebastian Mathias promovierte an der HCU in Hamburg.

Sebastian Mathias promovierte an der HCU in Hamburg.

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Was fasziniert Sie an öffentlichen Plätzen?
Bereits bei meiner vorherigen Arbeit habe ich mich mit der Beziehung zwischen Performer und Publikum auseinandergesetzt. Dabei stiess ich auf den Soziologen Erving Goffman. Er hat bereits in den 70er-Jahren untersucht, nach welchen Regeln und welchem Kodex wir uns im öffentlichen Raum verhalten – fast wie bei einer Choreografie. Das finde ich spannend.

Was für Regeln gibt es denn?
Wenn sich Menschen auf der Strasse begegnen, dann blicken sie sich höchstens drei Sekunden lang an. Oder hier in der Schweiz: Beim Wandern in den Bergen grüsse ich, in der Stadt aber nicht.

Sie haben drei Jahre lang für das Stück recherchiert. Wo überall?
Wir waren in Cafés, in Clubs und Supermärkten, haben Vernissagen besucht und Museen angeschaut. In Zürich waren wir beispielsweise in der Sihlcity sowie im Fraumünster.

Was hat Sie am meisten überrascht?
Dort, wo ich dachte, dass die Freiheit am grössten sei, war sie eigentlich am kleinsten: Die Leute regen sich auf, wenn jemand im Café tanzt. Am Hauptbahnhof interessiert das keinen. Dort ist die soziale Norm kleiner.

Ausgangspunkt der aktuellen Performance «people looking at people looking at people» ist das Helsinki. Wieso?
Es war so schwierig, in Zürich Orte für die Performances zu finden! Im Quartier um die Hardbrücke hat es schliesslich geklappt. Da das Publikum selbstständig loszieht, war es wichtig, dass die Orte in Gehdistanz liegen – wir wollen ja niemanden durch die ganze Stadt hetzen.

Di/Mi, 18.30 Uhr
Helsinki Club
Geroldstr. 35, www.gessnerallee.ch
Eintritt 16 Franken
Bis 19.5.

(Züritipp)

Erstellt: 08.05.2018, 16:58 Uhr

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