Unangenehmes einfach wegklicken

Was, wenn wir uns alles Negative vom Leib halten könnten? Das Stück «Die schmerzfreie Gesellschaft» gibt Antworten.

Schauen kritisch in eine schmerzfreie Zukunft: die drei Performerinnen um Martina Momo Kunz.

Schauen kritisch in eine schmerzfreie Zukunft: die drei Performerinnen um Martina Momo Kunz.

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Am Anfang von Martina Momo Kunzs neuem Stück stand eine persönliche Beobachtung, die so individuell nicht ist: «Ich wohne in einem Block mit 50 Parteien aus zehn Ländern, ich kenne niemanden näher, aber bei Facebook sind alle meiner Meinung.»

Was die Theatermacherin sagen will: Wir bewegen uns auch dank der neuen Medien mehr und mehr in Blasen, wo wir uns mit Menschen umgeben, die gleich denken wie wir. Wo wir uns gegenseitig bestärken und keine Konflikte austragen müssen. Und das ist erst der Anfang.

Dank neuer Technologien, wie Virtual Reality, wird es immer einfacher werden, sich die schmerzhaften Seiten des Lebens vom Leib zu halten. «Aber das», sagt Kunz, «macht auch em­pathielos und manipulierbar, wie man am Auseinanderdriften der politischen Lager beobachten kann. Allgemein nimmt das Verständnis fürs Fremde ab.»

Im Stück «Die schmerzfreie Gesellschaft» geht Kunzs Formation Les Mémoires d’Helène noch einen Schritt weiter: In einer fernen Zukunft, in der sich Unangenehmes einfach wegklicken lässt, erinnern sich drei Frauen an früher. An eine Zeit, als man noch diskutierte und stritt und schmerzliche Erfahrungen machte. In einer Mischung aus Performance und Erzähltheater, basierend auf autobiografischem Material, untersucht der Abend lustvoll, wie es zur schmerzfreien Gesellschaft kam. Und einer nur vermeintlich besseren Welt.

Di — 20 Uhr
Rote Fabrik
Fabriktheater, Seestr. 395
Eintritt 30 / 20 Franken
Bis 22.12.
www.rotefabrik.ch

(Züritipp)

Erstellt: 05.12.2018, 17:59 Uhr

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