Er oder er?

Der Sohn eines zum Verschwinden gebrachten libyschen Dissidenten und der fabulierende Ururenkel eines Pressburger Juden am selben Abend: Zweiteilen können müsste man sich!

Sie haben eine Menge zu erzählen: Hisham Matar (l.) und Michael Chabon.

Sie haben eine Menge zu erzählen: Hisham Matar (l.) und Michael Chabon.

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Hisham Matar

19 Jahre alt war Hisham Matar, als sein Vater vom ägyptischen Geheimdienst entführt wurde. Das geschah im März 1990. Jaballa Matar war ein bekannter libyscher Dissident, der gegen den Diktator Ghadhafi kämpfte. Jaballa Matar wurde von den Ägyptern nach Libyen transportiert und verschwand in einem Gefängnis. Bis heute weiss Matar nicht, was genau mit seinem Vater geschah. Vermutlich wurde er nicht nur gefoltert, sondern auch umgebracht. Aber wann und wo? Und wie reagiert ein Sohn auf eine solche Situation? Matar schrieb auf Englisch zwei Romane, in deren Mittelpunkt die Söhne von Dissidenten stehen.

2011 wurde das Ghadhafi-Regime gestürzt, im März 2012 flog Hisham Matar zum ersten Mal nach Libyen zurück. Dies ist der Ausgangspunkt des autobiografischen Werks «Die Rückkehr» («The Return»), das hin und her springt zwischen den verschiedenen Zeitebenen, Kindheitserinnerungen und Berichte ehemaliger Gefangener kombiniert. Schwerlich wird man je Matars kafkaeske Beschreibungen seiner Unterredungen mit einem Ghadhafi-Sohn vergessen, aber auch seine schwelgerischen Schilderungen von Festessen und deren Vorbereitung, denn Hisham Matar ist ein sehr sinnlicher Autor.

Mo — 1930 Literaturhaus
Limmatquai 62
www.literaturhaus.ch
Eintritt 20/14 Franken

Michael Chabon

26 Jahre alt ist Michael Chabon, als er ans Sterbebett seines Grossvaters geholt wird. Das geschieht 1989. Dieser Grossvater, dessen Namen wir in Chabons Buch «Moonglow» nie erfahren, war ein Ingenieur, der im Zweiten Weltkrieg für den amerikanischen Geheimdienst arbeitete und die Konstrukteure der deutschen Raketenbomben aufspüren sollte.

Oder auch nicht. In einer Vorbemerkung schreibt der Autor, er habe sich an die Fakten gehalten, ausser sie hätten sich nicht der Erinnerung, den erzählerischen Absichten «oder der Wahrheit, wie ich sie gern verstehe», gebeugt. Und in einem Interview gestand Chabon, dieser Grossvater sei eigentlich er selbst und seine Ehe mit einer bipolar gestörten Frau habe Ähnlichkeit mit seiner eigenen. Chabons Frau Ayelet Waldman bestätigte dies mit dem Zusatz: «Die Grossmutter ist viel verrückter als ich. Damit das klar ist.»

Der Erzähler, der Mike heisst und vielleicht Chabon ist, springt hin und her zwischen den verschiedenen Zeitebenen, Erinnerungen seiner selbst und des Grossvaters. Dieser kommt ins Gefängnis, weil er einen blöden Chef zu erdrosseln versucht hat. So was liest man natürlich gern. Michael Chabon ist ein sehr unterhaltsamer Autor.

Mo — 2000
Kaufleuten
Pelikanplatz
www.kaufleuten.ch
Eintritt 25/12.50 Franken

Erstellt: 12.03.2018, 10:34 Uhr

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