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«Es war ein Kampf»

Die deutsche Schauspielerin Inga Busch ist aktuell in «Der zerbrochene Krug zu sehen» – als Mann. Ein Gespräch über Frau-Sein, klassisches Theater und Kleist.

Szene aus "Der zerbrochene Krug" am Zürcher Schauspielhaus. Ganz rechts ist Inga Busch. Foto: Matthias Horn
Szene aus "Der zerbrochene Krug" am Zürcher Schauspielhaus. Ganz rechts ist Inga Busch. Foto: Matthias Horn

Zürich kennt Sie vor allem aus dem Pop- und Diskurstheater von René Pollesch. Wie stehen Sie zum klassischen Theater?

René Pollesch hat mich ans Theater geholt. Er hat mich in einem Film gesehen und wollte deshalb mit mir Theater machen. Ich wusste nicht mal, ob ich das kann. Deshalb bin ich da natürlich anders geprägt, weil er mich geprägt hat. Ich habe aber auch schon Shakespeare und Brecht gespielt.

Sie sind jetzt in Kleists Klassiker «Der zerbrochne Krug» zu sehen. Was hat Sie gereizt?

Barbara Frey wollte die Rolle des Angeklagten Ruprecht mit einer Frau besetzen und ist auf mich zugekommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn Kleist ist ein Dramatiker mit einer ungeheuer­lichen Sprache. Aber ich habe ihr auch gesagt: ‹Es ist vielleicht eine Bildungslücke, aber ich kenne ausgerechnet dieses Stück nicht.› Inzwischen habe ich die Rolle des Ruprechts ganz besonders gern.

Wieso?

Das Publikum erwartet sicher nicht, dass Ruprecht von einer Frau gespielt wird. Ihn aber mit einer Schauspielerin zu besetzen, ist eigentlich gar nicht so abwegig. Er ist in meiner Version eher zart und durchlässig. Eine gute Freundin, die auch Schauspielerin ist, hat mir einen Tipp gegeben und sehr treffend formuliert: «Du musst gar keinen Mann spielen, sondern nur aufhören, eine Frau zu spielen.»

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Keine Frau zu sein, bedeutet eben auch selbstverständlicher egoistisch und nicht immer automatisch empathisch zu sein. Es geht nicht primär darum, zu gefallen. Ich verstelle nicht meine Stimme oder versuche bullig zu wirken. Ich weiss aber manchmal auch nicht mehr: Halte ich mich so, um meine Brust zu verstecken? Oder ist es, weil Ruprecht ein Würstchen und kein Protz ist?

Wie geht es Ihnen jetzt, so kurz vor der Premiere?

Ich freu mich sehr darauf. Auch wenn die Arbeit ein Kampf war – ich habe jetzt grosse Lust, das Stück zu spielen. Und das Ensemble ist toll! Wir kommen aus den verschiedensten Ecken und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Und da wären wir wieder bei Kleists «zerbrochnem Krug»: Da kommt der Teufel nämlich auch noch vor.

Bis 4.12., Schauspielhaus Pfauen

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