Solidarität, Sex und eine todbringende Schildkröte

«Das weibliche Prinzip»: Was ist dran am feministischen Roman der Amerikanerin Meg Wolitzer?

Sie erzählt mit liebevoller Ironie: Meg Wolitzer.

Sie erzählt mit liebevoller Ironie: Meg Wolitzer. Bild: Nina Subin

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Kritiker können ganz schön blöd sein: Dem neuen Roman von Meg Wolitzer, «Das weibliche Prinzip», wurde schon vorgeworfen, er sei weder «das grosse Epos der Frauen­bewegung» noch eine Antwort auf #MeToo. Das ist ebenso sinnvoll wie die Klage, in Shakespeares «Hamlet» kämen zu wenig Raum­schiffe vor.

Lachend ergänzt die Schriftstellerin: «Der Roman wirft auch keinen ‹durchdringenden Blick auf unsere gegenwärtige Situation›. Fragen wie weibliche Macht, Feminismus und Misogynie sind nicht Fragen, über die ich erst während der Arbeit an diesem Buch, also in den letzten drei Jahren, nachgedacht habe, sondern mein ganzes Erwachsenenleben lang.»

59 Jahre alt ist die Amerikanerin mittlerweile, und «Das weibliche Prinzip» (übersetzt von Henning Ahrens bei Dumont erschienen) ist ihr zwölfter Roman. Im Zentrum steht die schüchterne Studentin Greer Kadetsky, die von der berühmten älteren Feministin Faith Frank unter die Fittiche genommen wird.

«Mein Roman handelt von Menschen, die etwas bewirken möchten – und die dabei auch Scheisse bauen.»Meg Wolitzer, Schriftstellerin

Dorthin zieht es auch Zee, Greers beste Freundin, aber Greer möchte Faith nicht teilen. Und ist es überhaupt eine gute Idee, dass Faith ihre feministische Stiftung von einem Milliardär finanzieren lässt, der auch schon unsaubere Geschäfte gemacht hat?

«Mein Roman handelt von Menschen, die etwas bewirken möchten – und die dabei auch Scheisse bauen», sagt die Autorin. Es geht also nicht nur um Solidarität unter Frauen, sondern auch um Verrat, Sex, Macht und eine todbringende Schildkröte. Wie schon in ihrem Bestseller «The Interestings» betrachtet die Autorin ihre Figuren mit liebevoller Ironie und Wärme. Es ist schön, sich wieder in der Wolitzer-Welt aufhalten zu dürfen, und zum Glück ist das Buch stattliche 496 Seiten lang.

Mo — 20 Uhr
Kaufleuten
Pelikanplatz
Eintritt 25 / 15 Franken
www.kaufleuten.ch

(Züritipp)

Erstellt: 10.10.2018, 18:29 Uhr

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