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Geh ins Theater, Baby!

Das Prima Theaterfestival zeigt Stücke für kleine Menschen unter vier Jahren. Das ist auch eine Einladung für die Grossen.

Ob Rawums oder Flow: Geforscht wird überall, auch mit Mehl.
Ob Rawums oder Flow: Geforscht wird überall, auch mit Mehl.

Es gibt Babyschwimmen. Baby-Yoga. Baby-Chinesisch. Und es gibt auch, ohne Quatsch, Quantenphysik für Babys. Was braucht es da noch ein Baby-Theater? «Herrgott noch mal, das muss wirklich nicht sein», sagt Nina Knecht.

Sie sagte das vor 15 Jahren. Jetzt aber organisiert die Theaterpädagogin, die 2014 den Verein Prima gegründet hat, ein internationales Theaterfestival für die Jüngsten. Denn dieses Theater ist so etwa das Beste, was kleinen Menschen passieren kann. Im Programm des Festivals, das am Freitag im Zürcher Theater Purpur startet: Stücke ab 2 Jahren, wie «Klank» oder «Holzklopfen». Und eines ab 6 Monaten ist auch dabei.

In «Icilà – Hierda» improvisiert Benoît Sicat aus Frankreich mit einem Huster, einer Träne, einem Lacher und einem Seufzer, wie es im Beschrieb dieser Hör- und Spielperformance heisst. «Kunst kennt kein Alter», sagt Nina Knecht, eine Grenze fürs Mitmachen gibt es da nicht. Denn alle Menschen sind kreativ. Besonders Kinder sind Experten in Sachen Kreativität. Und davon können sich Erwachsene manchmal eine Scheibe abschneiden.

Man will wieder zum Kind werden

Wir treffen Nina Knecht in einem Café ganz in der Nähe beim Theater Stadelhofen, dort hat sie als Dramaturgin und Theaterpädagogin gearbeitet. Sie sagt im Gespräch so schöne Sachen über dieses Theater für die Kleinsten, dass man das Theater selbst wieder wie ein Kind erleben will. Mit all den Tränen, Lachern und Hustern.

Nie ist das Theater näher beim Leben als bei den Kleinsten. «Sie machen keinen Unterschied zwischen Kunst und Wirklichkeit», sagt Knecht, alles ist für die Kinder ein Spiel. Und davon können auch grosse Menschen etwas lernen. Nämlich: die Welt wieder mal ganz anders wahrzunehmen. Und wie ein Kind die Welt zu entdecken. Denn die Qualität eines guten Kinderstücks besteht darin, sagt Knecht, dass es auch die Erwachsenen anspricht.

Natürlich macht dieses Theater keinen Baby-Hamlet. Es setzt auf Bilder, Klänge, Musik, Bewegung. Sein oder Nichtsein ist hier eine Frage des Materials: Wie tönt Holz, Laub oder Tannenzapfen? Was macht der Ast, der Span, die Wurzel? «Theater für die Kleinsten ist auch Materialforschung», sagt Nina Knecht. Ganz spielerisch wird mit den Gegenständen umgegangen. Niemand weiss, wohin dieses Spiel hinführt. Alles kann hier passieren. Die Kinder reagieren im Moment auf jeden Impuls. Das löst auch bei Erwachsenen, die in ihren eigenen Theatererfahrungen immer ein bisschen befangen sind, etwas aus. Sie machen auf einmal mit. Und sehen Sachen, die sie im Theater sonst nicht sehen.

Jetzt auch in der Schweiz

Andere Länder sind der Schweiz voraus. In Deutschland, Frankreich, Italien ist das Theater für die Kleinsten schon längst eine Selbstverständlichkeit. Das Prima-Festival gibt nun die Gelegenheit, Klassiker auf diesem Gebiet kennen zu lernen – wie «Holzklopfen» des deutschen Helios Theaters – und auch neue Positionen. Premiere hat «Klank», das Stück vom Lauschen und Horchen von Puppenspiel.ch. Von der gleichen Truppe ist auch «Flow».

Wichtig im Theater für die Kleinsten ist die Durchlässigkeit. Die Türen stehen während einer Vorstellung offen. Man kann hier immer hinein und hinaus. Es kann ja sein, dass das Kind gerade gewickelt werden muss. Oder das Kind zeigt, dass ihm im Moment dieses Theater nicht so ­gefällt. Vielleicht will es jetzt gerade Quantenphysik machen.

Fr 10.1. — Mi 5.2. Diverse Ortewww.prima-festival.ch

Das Festival in Zürich: Theater Purpur, Grütlistr. 36: «Klank», 10. bis 13.1.; «Holzklopfen», 15. bis 18.1.

Theater Stadelhofen, Stadelhoferstr. 12: «Flow», 22., 23., 25.1.: «7 kleine Wunder», 26., 28., 29.1.

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