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Gemeinsam einsam

Die Choreografin Gisèle Vienne zeigt am Theater Spektakel ihre neueste Arbeit «Crowd»: Eine berauschende Techno-Party in Slow Motion.

15 Menschen treffen sich auf der Bühne zum choreografierten Rave: Teilnehmer in Gisèle Viennes Stück «Crowd».
15 Menschen treffen sich auf der Bühne zum choreografierten Rave: Teilnehmer in Gisèle Viennes Stück «Crowd».
Estelle Hanania

Irgendjemand muss vorher schon da gewesen sein. Im Sand liegen leere Dosen und Plastikbecher. Ein melodiöser Techno erfüllt den Raum, nach und nach betreten fünfzehn junge Menschen die sandige Fläche. Sie tragen Kapuzen, Rucksäcke und Blousons aus bunter Ballonseide. Sie sind gekommen, um sich im Tanz zu berauschen. Nach den Vorgaben von Gisèle Vienne.

Komplexes Geflecht aus Spannungen und Sehnsüchten

Die französisch-österreichische Regisseurin und Choreografin hat mit ihrem neusten Projekt «Crowd» eine beklemmend bis berührende Techno-Party auf die Bühne gebracht. Eine Gruppe, in der sich nach und nach ein komplexes Geflecht aus Spannungen, Sehnsüchten und Erschöpfung, aus Gruppengefühl und Einsamkeit entwickelt. Da kippt Freude plötzlich in Gewalt, und der ertanzte oder durch Drogen hervorgerufene Rausch verwandelt sich in Begehren.

Gisèle Vienne hat Anfang der 90er-Jahre in Berlin die frühe Techno-Szene selbst erlebt. Jetzt analysiert sie auf der Bühne mit beeindruckender Genauigkeit und einer fürs Ensemble höchst anspruchsvollen Choreografie, den kollektiven Ritus, erforscht individuelle Emotionen und einmal mehr das menschliche Verhalten.

Tanzen in perfekter Zeitlupe

Vienne nutzt die Technik der Entschleunigung und lässt ihre Tänzerinnen in perfekter Zeitlupe agieren. Sie arbeitet mit Stop-Motion, reisst Sicht- und Hörbares auseinander und lässt die Szenerie einfrieren, um immer wieder kleine Geschichten herauszulösen: Da ist dieses entrückt wirkende Mädchen mit dem Plastiksack und der kaputten Beziehung. Da sind die beiden jungen Männer, die sich erst prügeln und später in Zärtlichkeiten versinken. Da ist diese junge Frau, die das Fremdbegehren ihres Freundes mit anschaut.

Das DJ-Set zum Stück stammt von Peter Rehberg und bezieht sich auf die Techno-Traditon von den Neunzigerjahren bis heute. Es bildet den mal zugänglichen, mal harten Soundtrack zu diesen, auch für Nicht-Raver, berauschenden 90 Minuten.

www.theaterspektakel.ch

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