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«Halt die Schnauze»

David Sedaris, Meister komischer Peinlichkeiten, gewährt Einblick in seine Tagebücher.

David Sedaris beschimpft sich auch mal selbst, wenns sein muss.
David Sedaris beschimpft sich auch mal selbst, wenns sein muss.

Kaum einer schreibt so komische Bücher wie der Amerikaner David Sedaris. Und alle, alle handeln sie von ihm, seiner Familie und seinem Lebenspartner Hugh. Es wimmelt darin von funkelnden Peinlichkeiten. Ursprünglich hatte er sich als Satiriker versucht, aber diese Texte waren angestrengter Murks. Erst mit der Veröffent­lichung seiner Erfahrungen als Weihnachts-Elf im New Yorker Kaufhaus Macy’s fand er zu seinem eigenen Sound. Sein neustes Buch «Wer’s findet, dem gehört’s» (Blessing-Verlag) ist 608 Seiten dick. Aber das ist nichts, verglichen mit dem tatsächlichen Umfang seiner Tagebücher: 156 Bände hat er seit 1977 gefüllt. Vom «Züritipp» gefragt, warum er jetzt ein Tagebuch-Buch veröffentliche, antwortete er: «Ich wünschte, ich hätte eine Antwort auf diese Frage. Ich habe aber ehrlich gesagt nicht den geringsten Schimmer.» Doch furchtbar anstrengend sei es gewesen, sich durch die eigenen Aufzeichnungen zu wühlen. Sein Freund Hugh habe ihn manchmal aus dem Nebenzimmer «Halt endlich die Schnauze!» rufen gehört. Gefragt, mit wem er rede, antwortete Sedaris: «Mit mir im Jahr 2001.» Das Buch reicht bis Ende 2002, das heisst von der Zeit, als Sedaris sich mit Drogen vollknallte, über die Entdeckung seines Talents bis zu einer Einkaufstour mit der Mutter seines Lebenspartners. Bei Lesungen in den USA und in seiner Wahlheimat England hat Sedaris jeweils auf eine Auswahl der lustigsten Passagen zurückgegriffen. In Zürich wird Frank Goosen aus Georg Deggerichs deutscher Übersetzung lesen, und Goosen ist nicht nur ein glühender Sedaris-Fan, sondern Kabarettist und seinerseits Autor komischer Romane wie «Liegen lernen». Wenn wir Glück haben, erleben wir also eine Sternstunde der Komik.

Mi, 20 Uhr Kaufleuten, Pelikanplatz

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