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Hier dürfen nur Männer mitmachen

Die Choreografin Tina Mantel erklärt, warum es ein Männer-Tanzprojekt braucht – und die Teilnehmer, wie sich dadurch ihr Rollenbild veränderte.

«Die Geschlechterfrage hat keine Bedeutung»: Teilnehmer des #manntanzt-Projekts sprechen über ihre Erfahrungen und Reaktionen aus ihrem Umfeld.

Tanzende Männer sind in der Schweiz eine Seltenheit. Warum?

Die Gründe sind vielfältig. Das hat mit unserer Kultur zu tun. Und ganz viel auch mit Kontrollverlust. Was für Männer nicht angenehm ist. Es hat auch mit Körperverständnis zu tun. Frauen werden da anders sozialisiert. Sie haben weniger Scheu, sich zu zeigen, sie tanzen in einem Club einfach, und Männer stehen am Rand und wippen nur mit dem Fuss.

Ist es nicht auch so, dass Männer, die sich für professionellen Tanz interessieren, schnell als homosexuell gelten?

Das ist ja ein ganz grosses Vorurteil und ein Klischee. Aber stimmt, das ist da. Ich unterrichte auch Kinder. Da kommen Buben höchstens noch im Vorschulalter. Aber es gibt auch schon Kleine, die sagen, das ist schwul. Es würde schon helfen, wenn Tanz wie in England Teil des Schulunterrichts wäre.

«Ich biete Männern einen geschützten Rahmen, wo sie freier und nicht in der Minderheit sind.»

Tina Mantel, Choreografin

Tanzen in ihren #manntanzt-Kursen und -Stücken dann Bauarbeiter mit Bankern?

Das wäre schön. Es sind schon noch hauptsächlich Männer aus sogenannten weichen Berufen: Pädagogen, Künstler. Die Kanäle, die mir zur Verfügung stehen, reichen wohl nicht bis zur UBS.

Es dürfen wirklich nur Männer zu Ihnen kommen?

Ja, ich biete ihnen einen geschützten Rahmen, wo sie freier und nicht in der Minderheit sind. Ein Beispiel: Wir haben für das erste Stück Improvisationen gemacht, und irgendwann habe ich gesagt, okay, jetzt macht das alles noch mal, aber mit Frauen. Es ging nicht. Ein Teilnehmer hat es dann auf den Punkt gebracht: «Wenn wir alleine sind, dann ist da so ein Gefühl ‹einer für alle, alle für einen›. Wenn Frauen da sind, heisst es gleich: Einer gegen alle.»

«Männer können über den Tanz neue Stärken entdecken und so von weiblich Konnotiertem profitieren.»

Tina Mantel, Choreografin

Sie sind ja jeweils die einzige Frau – sind Avancen da kein Thema?

Nein. Das hat mich anfangs selbst gewundert. Aber ich habe Kinder, bin verheiratet und über 50. Da bin ich vermutlich schon aus dem Rennen. Es wäre vielleicht anders, wenn ich 25 wäre.

Sie betreiben mit Ihren Tanzkursen und Projekten also Männerförderung?

Ja, aber ich sehe mich als Feministin. Für mich ist evident, dass die Gleichberechtigung nur weitergehen kann, wenn sich auch die Männer ändern. Weiter gehts nur gemeinsam. Ich sehe es an meinen zwei Söhnen und meinen Brüdern: Da ist noch mehr möglich. Männer können über den Tanz neue Stärken entdecken und so von weiblich Konnotiertem profitieren, statt es als Bedrohung zu sehen.

Ab Mi 23.1. — 20 Uhr Kulturmarkt Aemtlerstr. 23 Eintritt 25 / 20 Franken Bis 26.1.www.kulturmarkt.ch

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