Biene im Spinnennetz

Dana Grigorceas Novelle «Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen» ist eine Hommage an Zürich.

Die schweizerisch-rumänische Autorin legt eine bittersüsse Erzählung vor.

Die schweizerisch-rumänische Autorin legt eine bittersüsse Erzählung vor. Bild: Ayse Yavas

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Alles ist in ein wundersames Licht getaucht, wenn Anna federnden Schrittes durch Zürich geht. Vor Jahren war sie als Primaballerina aus Osteuropa nach Zürich gekommen. Unterdessen, nicht mehr ganz jung, ist sie arriviert: mit einem Arzt verheiratet und immer noch sehr gefragt in der Rolle der erfahrenen Tänzerin und Choreografin. Die Bühne erstreckt sich für sie weit über die Mauern des Zürcher Opernhauses hinaus, und so findet sie immer wieder einen Liebhaber für einen kleinen Pas de deux: «Sie tue das für die Liebe, sagte sie sich, um dem Leben nichts schuldig zu bleiben.» Bis sie eines Tages Gürkan begegnet, einem kurdischen Gärtner.

Nach dem viel beachteten Roman «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» legt die Zürcher Autorin Dana Grigorcea eine Novelle vor, an der alles leicht und heiter zu sein scheint. Der explizite Bezug zu Anton Tschechows Erzählung «Die Dame mit dem Hündchen» (1899) verrät aber schon, dass hinter der schönen Fassade der Zürcher Society dieselbe Langeweile und Leere wohnt wie in Tschechows Bankangestelltem Dmitri Gurow, der sich in den Ferien am Schwarzen Meer in die ebenso gelangweilte Anna Sergejewna verliebt.

Grigorcea dreht die Perspektive um und setzt ihre Anna als aktive Verführerin ein. Genau wie bei Tschechow verleiht Annas Liebe zu Gürkan der Welt mehr Tiefe und eine Sinnhaftigkeit, die sie noch nicht ganz begreift. Wer weiss, wohin sie die bittersüsse Sehnsucht noch führen wird.

Lustvoll beschwört Dana Grigorcea eine Welt aus Blüten und Sonnenlicht, aus Musik und Tanz und Theatralik herauf. Ihre Anna lässt sie wie eine elegante Spinne die Fäden spinnen in diesem Netz. Allein über den Tanz der Sprache verstehen wir, dass Anna so sehr Teil dieser Welt ist, dass sie ohne sie nicht existieren würde. Auch wenn Anna sich noch so sehr sehnt, weit weg von allem in Gürkans Armen zu liegen. So sticht uns diese elegant ihre Pirouetten drehende Novelle hinterrücks in den Finger – wie die Biene, die Anna eines Tages aus dem Kokon einer Spinne zu retten versuchte, vergebens.

Di, 20 Uhr
Kaufleuten, Pelikanplatz
www.kaufleuten.ch
Eintrit 25 / 15 Franken

Erstellt: 31.01.2018, 13:38 Uhr

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