In einer vergifteten Atmosphäre

Das Theater Kanton Zürich zeigt Ibsens «Volksfeind». Es ist ein Ökostück zur Zeit.

Andreas Storm als einer, der einen Umweltskandal entdeckt und zum Aussenseiter wird.

Andreas Storm als einer, der einen Umweltskandal entdeckt und zum Aussenseiter wird. Bild: Tanja Dörendorf?/?T+T Fotografie

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Letzten September wurden in China zwei «Volksfeind»-Aufführungen der Berliner Schaubühne abgesagt – «aus bühnentechnischen Gründen», wie es hiess. Der eigentlich Anlass war: In der Vorstellung wurde das Publikum direkt befragt, ob es auf der Seite des Badearztes Tomas Stockmann stehe, der einen Umweltskandal im Kurort aufgedeckt hat, oder auf der Seite der Mehrheit, die ihn deswegen zum Volksfeind erklärt.

Das Heikle daran: Auch in China gibt es ein Öko-Problem. Und die Einheitspartei stellt Kritiker an den Pranger. Die Zuschauer gaben pointierte Antworten. Die Obrigkeit reagierte pikiert. Die Geschichte zeigt: Auch mehr als 130 Jahre nach der Erstaufführung bleibt Henrik Ibsens letztes Gesellschaftsdrama immer noch brisant.

Denn das Stück beschreibt Vorgänge, die recht aktuell wirken. Alle sagen: Clean soll die Welt werden. Aber die meisten machen weiter mit ihren schmutzigen Geschäften. Und niemand denkt an die Konsequenzen. Nun bringt das Theater Kanton Zürich den «Volksfeind» auf die Bühne.

Regisseur Kay Neumann hat hier 2015 die «Buddenbrocks» inszeniert. Andreas Storm spielte damals den Grünlich. Jetzt ist er als Badearzt Tomas Stockmann sozusagen ein ganz Grüner. Das Öko-Stück ist kein Einzelfall. Immer schon wurde auf der Bühne die Welt umweltschutzmässig verklärt.

Theater Kanton Zürich
Winterthur, Scheideggstr. 37
Do 14.3. (Premiere) bis Di 19.3.
Sa 9.4. / So 10.4. Gastspiel im Theater Rigiblick
Eintritt 30 Franken
www.theaterkantonzuerich.ch

(Züritipp)

Erstellt: 13.03.2019, 15:20 Uhr

Drei grüne Stücke:

Sektor 1 (2016)
von Karl's Kühne Gassenschau
Ein Öko-Stück par excellence. Die Menschheit schiesst den Abfall in den Himmel, um auf der Erde das Paradies (mit E-Rollern) zu gewinnen. Der Himmel schlägt zurück. Irgendwann fallen die Abfallsäcke wieder herunter. Wer das Spektakel sehen will: Vom 25. Mai bis 29. Juni wird ­«Sektor 1» wieder in Olten gespielt.

Der Kirschgarten (1904)
von Anton Tschechow
Bäume essen russische Seele auf. Eine adelige Familie kann ihr Landgut nicht mehr halten, ein Neureicher plant dort eine Ferienhaussiedlung. Der schöne Kirschgarten geht drauf, wie auch sonst das ganze Land. Die Moderne bricht wie eine Axt in diese Gesellschaft ein. Das ganze Leben ist hin.

Wilhelm Tell (1804)
von Friedrich Schiller
Die Habsburger wollen die Innerschweiz mit Burgen überbauen, die «Rütliwiese bleibt frei!»-Fraktion hat etwas dagegen. Sie schleift alles, was im Weg ist. Und bald lädt der See wieder zum Bade. Geht doch.

Artikel zum Thema

Der Provokateur

Matias Faldbakken sorgte mit seinem Roman «The Cocka Hola Company», der in der Pornoindustrie spielt, für Aufregung. Jetzt legt er nach. Mehr...

Dialog mit den Geistern

In Max Merkers neustem Stück «Geister» gehts um Gespenster und die eigene Bedeutungslosigkeit. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Blogs

Sweet Home 15 Stylingideen für das Bad

Tingler Schöne Grüsse

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...