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Jugendträume

Der Bestsellerroman «Auerhaus» wird erstmals in der Schweiz auf der Bühne adaptiert – mit Profis und Laien. Ob das funktioniert? Ein Probenbesuch.

Annik Hosmann
Er hat Höhenangst, «aber noch mehr Angst, niemals zu fliegen»: Frieder (Balazs Gyenes, vorne).
Er hat Höhenangst, «aber noch mehr Angst, niemals zu fliegen»: Frieder (Balazs Gyenes, vorne).
Sepp de Vries

«Our house, in the middle of the street, our house . . .» Der Boden der Probenbühne auf der Werd­insel bebt: Die Jugendlichen singen und hüpfen zum Ohrwurm der Band Madness. «Our house? Auer­haus? Auerhaus!», ruft plötzlich einer. Die Szene, die Bov Bjergs Roman seinen Namen gibt, ist auch in der Theateradaption zentral.

Das Auerhaus, das ist das Zuhause von Frieder, der gerade einen Suizidversuch hinter sich hat, der wilden Vera, der Brandstifterin Paulina, dem schwulen Harry und Frieders bestem Freund Höppner. Letzterer erzählt ihrer aller Geschichte. Es ist die von fünf Freunden, die gemeinsam in einer Schüler-WG leben und sich zwischen letztem Schuljahr und erstem Sex selbst zu finden versuchen.

«Die Jungen lernen von den Alten und umgekehrt. Das ist für alle eine Bereicherung.»

Annina Dullin-Witschi, Regisseurin

In Bjergs Original leben im Auerhaus sechs Jugendliche. Aufgrund der Platzverhältnisse auf der Winkelwiese-Bühne entschied Regisseurin Annina Dullin-Witschi, eine Figur wegzulassen und den anderen mehr Tiefe zu verleihen. Fünf Jugendliche hat sie mit dem LAB Junges Theater Zürich gecastet. Hinzu kommen drei Profischauspieler. Es ist das erste Mal, dass in einem LAB-Projekt die Jugendlichen mit Profis auf der Bühne stehen.

Zu kleine Jugendtheaterszene in Zürich

Als Schwierigkeit sieht Regisseurin Dullin-Witschi diese Durchmischung nicht, im Gegenteil: «Die Jungen lernen von den Alten und umgekehrt. Das ist für alle eine Bereicherung.» Für sie ist diese Konstellation ein Modell für die Zukunft. Es brauche in Zürich dringend mehr solcher Projekte, im Vergleich zu Basel und Bern sei die Jugendtheaterszene zu klein, ist das LAB-Team überzeugt.

Projekte mit Laien und Profis sind nicht immer ein Gewinn. Bei «Auerhaus» geht das Konzept auf. Weil die Jungen den Profis auf Augenhöhe begegnen und das spielen, was sie sind: Jugendliche. Ihre Performance ist stark und unverbraucht, aber nie gekünstelt oder unglaubwürdig.

Ein Einblick in die Proben von «Auerhaus». Video: Tamedia Webvideo

Dass die Zusammenarbeit funktioniert, zeigt sich auch am Ende des langen Probentags: Als Dullin-Witschi ihre Schauspieler früher als geplant in den Feierabend entlässt, hat niemand so wirklich Lust zu gehen. Stattdessen stellen sich alle im Kreis auf und beginnen wieder mit Aufwärmübungen.

Sa / Mi — 20 Uhr Theater Winkelwiese Alle Vorstellungen sind ausverkauft Zusatzvorstellung am Di 13.11.www.winkelwiese.ch

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