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Kampfzone um Macht und Einfluss

«Die Krönung der Poppea» ist 370 Jahre alt. Was hat Monteverdis Oper mit uns zu tun?

Liebe und Leid liegt in dieser Beziehung eng beieinander: Das Paar Nero und Poppea.
Liebe und Leid liegt in dieser Beziehung eng beieinander: Das Paar Nero und Poppea.
Monika Rittershaus

Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen und aktuellen Vorkommnissen ist zufällig. Aber durchaus naheliegend. So betont denn Calixto Bieito, der Claudio Monteverdis «Krönung der Poppea» in Zürich inszeniert, nicht nur die musikgeschichtliche Bedeutung und Einmaligkeit des Werks, das – damals ein Novum – anstelle der mythologischen Stoffe die Realgeschichte ins Zentrum stellt.

Der katalanische Regisseur unterstreicht auch die Zeitlosigkeit und Modernität. Tatsächlich haben die Verstrickungen am Hof des römischen Kaisers Nero und das Ränkespiel seiner Geliebten, Poppea, selbst ohne allzu plakative Konkretisierung durchaus Parallelen zu Gehabe und Auftritt moderner Egomanen. Da fehlt es nicht an Intrigen, Kalkül, Machtbesessenheit, Skrupellosigkeit, aber auch nicht an Erotik, Begierde und Narzissmus. Daher hat Bühnenbildnerin Rebecca Ringst über dem Orchestergraben sinnigerweise einen umlaufenden Catwalk errichtet: Schauplatz der Eitelkeit und Selbstdarstellung. Gleichzeitig erinnert das Oval, in dessen Zentrum das Orchester platziert ist, an eine Arena: Kampfzone um Macht und Einfluss.

Und schliesslich suggeriert das Setting auch einen Senatssaal, zumal auf der eigentlichen Bühne ein Teil des Publikums Platz nehmen darf – also wir als unmittelbar Beteiligte am Politthriller. Einem Thriller mit Sex and Crime, zu dem Monteverdi affektgeladene Musik komponiert hat, von der er mit wenigen Ausnahmen nur Singstimme und bezifferten Bass notierte, was – so Maestro Ottavio Dantone – einen kreativen Anreiz darstelle.

So / Mi — 19 Uhr Opernhaus Sechseläutenplatz 1 Eintritt 29–270 Frankenwww.opernhaus.ch

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