Klaus will nicht

Katja Früh und Patrick Frey machen aus einer Depression das Beste: nämlich eine Komödie – wie schon so oft.

Paartherapie am Bett: Charlotte Heinimann, Andreas Matti, Esther Gemsch.

Paartherapie am Bett: Charlotte Heinimann, Andreas Matti, Esther Gemsch.

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Es ist Mittag, Klaus liegt noch im Bett und schaut im TV «Die Geissens». Eigentlich müsste der Mann ganz viele ­Sachen machen, Karton bündeln zum Beispiel oder auch ein bisschen arbeiten. Aber Klaus hat keine Lust auf nichts, am liebsten will er alles vergessen, was ihm aufgetragen wird. «Sorry», sagt er dann, «ich ha de Chopf jetzt würklich neimet andersch.»

Klarer Fall: eine Depression wie aus dem Lehrbuch. So sehen es jedenfalls die Freunde von Klaus und auch seine Frau. ­Jeder und jede will ihm aus dem Tief helfen: mit Therapie, Ernährungsumstellung, ­Gemütsaufhellern. Aber Klaus will sich nicht helfen lassen. Vielleicht hat er auch sein Glück gefunden, allein in seinem Bett. Ein Mann muss nicht immer müssen.

«Kopf hoch!»

An dieser Stelle müssten wir eigentlich ein sehr nachdenkliches Gesicht machen. Denn Depressionen sind an sich nichts Lustiges, sie fressen die Seele auf. Und doch lachen wir sehr, wenn wir den armen Tropf Klaus und die anderen sehen. Nicht nur, weil das ganze Ensemble um Andreas Matti umwerfend komisch spielt.

«Kopf hoch!» ist eine sehr menschliche Komödie. Katja Früh und Patrick Frey sind Spezialisten für den Entwurf von Lebenssituationen. In «Super Theo» (2011) haben sie den Weg von Eltern beschrieben, die alles in ihr Kind investierten. In «Grundriss der Hoffnung» (2015) ging es um die Frage, wie man sich im Alter am besten einrichtet. «Exit retour» (2017) handelte dann von vorletzten Dingen.

Andere hätten aus solchen Dramen ein grosses Gedöns gemacht – und wir wären auch leicht depressiv aus dem Theater gekommen. Hier aber schaut das Publikum quasi sich selber zu. Und lacht über sich selber – so traurig alles manchmal ist. So traurig, wie über Mittag «Die Geissens» im Bett schauen.

Casinotheater Winterthur
Stadthausstr. 119
Do (Premiere) bis Sa, Di / Mi 20 Uhr, So 17 Uhr, bis 6.7.
Eintritt 50–77 Franken
www.casinotheater.ch

(Züritipp)

Erstellt: 12.06.2019, 17:10 Uhr

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