Liebeswirren im Wald

Die Sommerproduktion im Sihlwald ist seit vielen Jahren erfolgreich. Wir sind ins Grüne gefahren, um herauszufinden, warum.

Die andere Seite der Sihl: Schauspieler des Turbine Theaters.

Die andere Seite der Sihl: Schauspieler des Turbine Theaters. Bild: Dominique Meienberg

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Der rote Zug rattert vorbei an den Brückenpfeilern beim Sihlcity, an der Autobahnwüste in Brunau, an den Wohnblöcken in Leimbach, entlang der idyllischen Sihl, wo Hunde­besitzer am und Fischer im Fluss stehen. Drinnen im Wagen wird es immer leerer, draussen immer grüner. Dann, nach einem langen Tunnel, kommt die Endstation: Sihlwald.

Hier findet seit 13 Jahren die Sommer­produktion des Turbine Theaters statt. Und über Besuchermangel kann sich Theaterleiter Peter Niklaus Steiner nicht beklagen, die Vorstellungen sind, trotz des abgelegenen Ortes, gut besucht. Oder vielleicht gerade deshalb? Nicht nur Fuchs und Hase sagen sich hier Gute Nacht, so einsam stehen die Bauernhäuser in der Landschaft in der Nähe des Besucherzentrums des Wildnisparks Sihlwald. Es soll im 1200 Hektaren grossen Wald auch Wölfe geben.

Von den Wölfen unbeeindruckt

Davon unbeeindruckt sind Steiner und sein Team. Dieses Jahr inszeniert der Regisseur René Schnoz den Shakespeare-Klassiker «Was ihr wollt». In den Hauptrollen sind Susanne Kunz, Wanda Wylowa, Patrick Frey und Kamil Krejci zu sehen. Letzterer steht bei einer der Proben am Rand der Holzscheune und raucht eine E-Zigarette.

Zwei der Hauptfiguren: Gräfin Livia (Susanne Kunz, r.) und ihre Zofe (Wanda Wylowa). Bild: Dominique Meienberg

Es riecht nach Holz, das grosse Haus ist umgeben von hohen Stapeln Tannscheiter. Hier, im ­Spielpavillon des Wildnisparks, sitzt das Publikum auf einer steilen Tribüne – oder ganz vorn in Armsesseln. Schwarze Schiebewände geben, wenn sie offen sind, den Blick auf Sihl und Wald frei. Das Publikum bleibt dabei stets trocken, die Ränge sind alle überdacht.

Anders verhält es sich mit den Schauspielerinnen und Schauspielern. Die Theatergruppe bespielt nämlich nicht nur die Scheune, sondern auch den angrenzenden Wald und die darunterliegende Sihl. Und zwar wortwörtlich; Ailin Nolmans als Schiffbrüchige etwa steht in einer der ersten Szenen knietief im Wasser.

Dadurch vermischen sich Theaterwelt und reale Welt: Während die Schauspieler Luftschlagzeug und Mini-Keyboard spielen, rennen dahinter ­Jogger durch. Damit das Publikum auch hört, was der Herzog von Illyrien (Christaan Turk) und seine Kollegen auf der anderen Flussseite zu sagen ­haben, wird der Ton mit grossen Boxen in den Zuschauer­raum übertragen.

Wer liebt nun wen?

In Shakespeares Komödie geht es um den Herzog Livio, der die Gräfin Livia liebt, die wiederum in den Diener des Herzogs verliebt ist, der aber eigentlich eine Frau ist und die aber den Herzog liebt. Damit das Publikum bei so vielen Liebeswirren den Überblick nicht verliert, hat Bühnenbildner René Grünenfelder ­pinkfarbene «Liebesbälle» mit verschiedenen Buchstaben entworfen, die am der Tribüne gegenüberliegenden Sihlufer montiert sind und je nachdem, ob Livio oder Livia spricht, gedreht werden können.

Die Teilung der Bühne durch den Fluss ist Teil des Konzepts von Regisseur Schnoz: Auf der Seite des Publikums ist das Reich von Livia, das für die Trauer und das Dunkle steht. Am anderen Ufer befindet sich das Reich von Livio, dem Herzog von Illyrien, das wiederum für Liebe und Kraft steht. Es ist ein Setting, das in einem geschlossenen Theatersaal deutlich weniger wirken würde – und so erklärt sich auch, warum es die Leute Jahr für Jahr in den Sihlwald zieht.

Do 11.7. bis So 4.8.
Wildnispark Sihlwald
Alte Sihltalstr. 13
Do (Premiere)–So / Mi 20 Uhr
Eintritt 25–69 Franken
www.turbinetheater.ch

Erstellt: 10.07.2019, 14:10 Uhr

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