Roboter können träumen

In der Winkelwiese ist jetzt Blade Runner zu sehen. Vorlage war nicht der Film, sondern das satirische Buch.

Sprecher, Tier, Androide: Die beiden spielen ganz verschiedene Rollen.

Sprecher, Tier, Androide: Die beiden spielen ganz verschiedene Rollen.

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Bevor er zur Arbeit fährt, geht Rick Deckard noch schnell aufs Dach. Dort grast nämlich sein Schaf. Seit der grossen Atomkatastrophe gehört es zum guten Ton, ein Haustier zu besitzen, aber Deckards Schaf ist künstlich: Unter dem lebensechten Fell verbergen sich Drähte und Elektroden. Das echte ist verendet, also hat er es heimlich gegen eine elektrische Variante ausgetauscht. Wenn bloss der neugierige Nachbar nichts davon mitbekommt.

«Mich packte die wilde Geschichte sofort», sagt Fabian Alder. «So etwas hatte ich noch nie gelesen.» Wie die meisten Menschen kannte auch der Thurgauer Theaterregisseur zwar Ridley Scotts Film «Blade Runner» (1981), nicht jedoch die Romanvorlage von Philip K. Dick: «Do Androids Dream of Electric Sheep?» (1968). Hier wie dort geht es um einen Kopfgeldjäger namens Deckard, der Androiden jagt, die sich illegal auf der Erde aufhalten. Über dieses Handlungsgerüst hinaus ist in der Filmadaption aber kaum etwas übrig geblieben von Dicks schräger Satire auf Politik, Religion und Haustierliebe.

Nachdem Alder den Roman gelesen hatte, war er so begeistert, dass er ihn zu einer Theaterfassung umschrieb. Da stehen nun drei Schauspieler auf der Bühne: Giuseppe Spina gibt den Androidenjäger, Anna-Katharina Müller und Christoph Rath übernehmen alle anderen Rollen. Allein mit Stimme und Körperhaltung bringen die beiden ganz verschiedene Figuren auf die Bühne, dafür brauchen sie nicht einmal einen Kostümwechsel. Auch sonst arbeitet die Formation mit einem Minimum an Mitteln: Da wird ein Mikrofon kurzerhand zur Strahlen­pistole. Dass er diesen Weg der Vereinfachung gehen musste, merkte Alder schnell: «Mit den opulenten Bildern der Verfilmung mitzuhalten, versuchte ich gar nicht erst.»

Diesen Herbst kommt «Blade Runner 2049» in unsere Kinos, die Fortsetzung zu Ridley Scotts Film – und mit «Ghost in the Shell» läuft dort gerade eine Geschichte über eine Cyborg-Polizistin. Dass Fabian Alder sein Stück gerade jetzt gemacht hat, ist Zufall – aber es wundert ihn nicht, dass das Thema von Mensch und Maschine die Leute beschäftigt, denn es spreche eine ganz elementare Frage an: «Was macht den Menschen überhaupt aus?»

Donnerstag bis Samstag, Winkelwiese. www.winkelwiese.ch (Zueritipp)

Erstellt: 19.04.2017, 15:08 Uhr

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