Rückwärts durch die Knie betrachtet

In «Junger Mann» entdeckt ein übergewichtiger Dreizehnjähriger die Liebe – einer wie Wolf Haas.

Seine Romanfigur erinnert sehr an ihn selbst: Autor Wolf Haas.

Seine Romanfigur erinnert sehr an ihn selbst: Autor Wolf Haas. Bild: Gerry Nitsch

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Will man über das neue Buch von Wolf Haas sprechen, dann kommt man an diesen eineinhalb Schlüsselzeilen nicht vorbei: «Rückwärts durch die Knie betrachtet war die Welt immer am interessantesten.» Das erste Mal steht dieser Satz gleich am Anfang des Romans «Junger Mann» – so richtig verstehen tut man ihn erst, als er am Ende der 238 Seiten ein zweites Mal fällt.

­Dazwischen liegt die Geschichte eines jungen Österreichers, der 1973 beim Ferienjob an der Tankstelle die Liebe seines Lebens sieht und daraufhin den Entschluss fasst, dass 93 Kilo für einen Dreizehnjährigen zu viel sind. Der junge Mann, dessen Leben stark an das des Autors erinnert, kommt seiner Angebeteten Elsa, die eigentlich die Frau des feschen Fernfahrers Tscho ist, dann tatsächlich näher. Was weniger mit der Diät zu tun hat als vielmehr damit, dass Elsa Englisch lernen möchte. Also übt der Gymnasiast mit ihr, bis eines Tages der Tscho an der Tankstelle vorfährt und den Jungen mit den Worten «Meine Frau sagt, dass du so ein gewaltiger Engländer bist» bittet, ihn als Dolmetscher nach Griechenland zu begleiten. Doch zwischen Schwarzach, Split und Thessaloniki kommt alles ziemlich anders als vermutet.

Seinem Stil bleibt der Autor auch ohne seinen berühmten Privatdetektiv Simon Brenner treu. Wolf Haas spielt mit Dialekt und Sprache, das Ergebnis ist weniger skurril als andere, zum Lachen gibts trotzdem genug. Kurz: Der Roman «Junger Mann» ist ein intelligentes Coming-of-Age-Märchen oder vielleicht einfach Biografisches, rückwärts durch die Knie betrachtet.

Mi 26. / Do 27.12. — 20 Uhr
Kaufleuten
Eintritt 40 / 30 Franken
www.kaufleuten.ch

(Züritipp)

Erstellt: 26.12.2018, 08:48 Uhr

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