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Rundgang im Menschenzoo

Rüdiger Burbach inszeniert für das Theater Kanton Zürich Patrick Marbers Erfolgsstück über eine Beziehung zu viert.

Zwei Paare: Aber es ist gar nicht so einfach zu sagen, wer hier mit wem eine Beziehung hat.
Zwei Paare: Aber es ist gar nicht so einfach zu sagen, wer hier mit wem eine Beziehung hat.
T+T Fotografie

«Was wollen Sie?», fragt Dan, der für Zeitungen Nachrufe schreibt. «Geliebt werden», antwortet Alice, die in New York gestrippt hat. Der Mann: «So einfach?» – «Das ist ziemlich viel», sagt die Frau. Ein Unfall hat die beiden in London zusammengebracht. Im Krankenhaus kommt man sich nahe. Und – bums – sind sie ein Paar. Die Aussichten auf eine gemeinsame Zukunft sind gut. Aber nach einem Jahr küsst Dan, der über die Zeit mit Alice einen Roman geschrieben hat, eine andere.

«Mir erscheint der Mittelteil einer Beziehung stets als der langweiligste», sagt der britische Dramatiker Patrick Marber. «Deshalb wollte ich in ‹Hautnah› vom Anfang zum Ende einer Liebe schneiden.» Er vertraut darauf, dass sich das Publikum den Mittelteil vorstellt. Muss es aber nicht. Denn am liebsten haben wir ja im Theater, wenn es in einer Beziehung so richtig bum macht.

Liebe auf Umwegen

Bum machen tut es im Stück hoch zwei. Wir sehen auch, wie es mit dem Anfang und dem Ende der Liebe eines zweiten Paars aussieht. Der Arzt Larry spricht im Aquarium des Londoner Zoos die Fotografin Anna an; er meint, ein Sex-Date zu haben, was ein Missverständnis ist. Aber daraus wird eine Ehe. Mit vor­bestimmtem Ende, natürlich. Weil Dan eben Anna küsst. Damit kommt ein ganzes Beziehungskarussell in Gang. Wir sehen in einen Menschenzoo hinein.

Es ist manchmal komisch, wo die Liebe hinfällt. Aber auch sehr traurig, wenn aus ihr nichts wird. «Hautnah», im Original «Closer», erzählt solche Geschichten. Wir sehen zu, wie vier Menschen zusammenkommen und wie ihr Glück mit ­Karacho zerbricht. 1991 hat das Stück Premiere in London ­gehabt. Und wurde 2004 von Mike Nichols verfilmt, dies mit einer Starbesetzung: Natalie ­Portman, Jude Law, Clive Owen, Julia Roberts. Auch im deutschsprachigen Raum ist die Geschichte auf Bühnen unzählige Male nacherzählt worden. Was macht «Hautnah» so faszinierend? Ist es so etwas wie «Sex and the City» für das Theater? Schliesslich kommt das Wort «ficken» etwa 37-mal vor.

Liebe ist kein Zufall

Telefon an Rüdiger Burbach, der das Stück jetzt für sein Theater Kanton Zürich inszeniert. «Eigentlich wollte ich ‹Hautnah› schon in den Neunzigerjahren machen», sagt Burbach. Damals war er Dramaturg mit Regieauftrag am Zürcher Schauspielhaus – und Fan der britischen Theaterszene, Stichwort Mark Ravenhill («Shoppen und Ficken») und Sarah Kane.

«Hautnah» hätte sehr gut in Burbachs Regie-Portfolio gepasst. Daraus wurde nichts, der Intendant schnappte ihm das Stück weg. Heute schliesst sich der Bogen. Denn «Hautnah» stand auch auf dem Wunschzettel des Ensembles des Theaters Kanton Zürich. Man könnte von Zufall sprechen. Hat aber mit Liebe zu tun.

«Das Stück ist absolut heutig», sagt Burbach. Nah beim Leben. Intensiv in den Gefühlen. «Man zahlt hier in bar.» Auf das Stichwort «Sex and the City» reagiert Burbach am Telefon mit einem «brrrrrrr». «Nein, damit hat das Stück ­absolut nichts zu tun.» Denn das Theater geht an die Menschen näher ran. Bis unter die Haut.

Do 12.12. / Sa 14.12. —?20 Uhr / So 15.12. — 19 Uhr Theater Kanton Zürich Winterthur, Scheideggstr. 37 Eintritt 30 Franken Vorstellungen in Zürich: Theater Rigiblick, 22. und 23.1.2020www.theaterkantonzuerich.ch

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