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Safer Sex mit Karaoke-Frank

Film versus Musical: Der Bodyguard kann gar nicht singen. Und trotzdem werden wir «Bodyguard» immer lieben.

Jo Weil und Aisata Blackman im Musical «Bodyguard»: Wie auf dem Filmplakat. Aber viel lebendiger.
Jo Weil und Aisata Blackman im Musical «Bodyguard»: Wie auf dem Filmplakat. Aber viel lebendiger.

Was ist besser: der Film oder das ­Musical dazu? Im Fall von «Sissi» ist klar: Sieg für den Film. Bei «Fame» gäbs vielleicht ein Un­entschieden. Nun steht «Bodyguard» auf dem ­Prüfstand. Und wir sagen: Gehen Sie ins Theater 11! Ist viel besser als das ganze Kino.

O. k., der Film «Bodyguard» (1992) war ganz schön prominent besetzt: mit Kevin Costner als Personenschützer Frank und Popstar Whitney Houston als schutzbedürftige Diva. Superberühmt wurde ein Lied, das sie singt. Ihr «I Will Always Love You» klingt bis heute nach.

Es ist der Nummer-1-Abschiedshit. Der Kitschfaktor: sehr hoch. Die Liebe lässt sich aber steigern. 2012 kam das «Bodyguard»-Musical im Londoner West End auf die Bühne. 2015 feierte die deutsche Version Premiere – die Songs werden aber immer noch auf Englisch gesungen. Gut so. Denn: «Du, mein Liebling, du», tönt eher schlecht.

Jetzt ist die «Bodyguard – Das Musical»-Produktion auf Tournee. Die Glanzpapierwerbung sagt: Noch glamouröser als der Film. Noch spannender. Noch romantischer. Der Punkt aber ist: Das ­Musical ist einfach grösser.

• Man kann mit Glitzerschuhen hingehen. In ­Baden-Baden, wo wir vor einer Woche «Bodyguard» im Festspielhaus gesehen haben, putzt sich das ­Publikum für den Abend festlich heraus. Einige Männer tragen Smoking mit Fliege, und die Frauen führen Abendroben aus, als gingen sie an eine ­Oscarverleihung (die dann auf der Bühne auch wirklich stattfindet). Natürlich gibt es auch Menschen im Out-of-Lidl-Look. Jeans sind in einem Musical aber sehr o. k. Auch Frank trägt ab und zu welche. Man sieht: Das Musical gibt dem Publikum eine Bühne zum Auftritt.

• Es gibt Effekte, die gehen ans Lebendige. Ein Film hat Dolby-Surround. Im Musical knallt es zu Beginn richtig laut, Achtung, Ohren zuhalten! Flammen schiessen in die Höhe. Der ersten Reihe wird es ordentlich heiss. Recht hotte Tänzer produzieren sich auf der Bühne. In Sachen Waschbrettbauch-Choreografie ist das Musical der Vorlage weit voraus.

• Der Schauspieler Jo Weil ist der bessere Kevin Costner. Er muss nicht, wie der Ur-Frank, beim Sex das Katana-Schwert schwingen – ist so auch viel sicherer. Beim Karaoke in der Bar zeigt der Kerl aber seine Schwäche, er kann nicht singen. Das Singen kann er im Musical getrost Aisata Blackman überlassen, die die grosse Diva gibt. Sie kommt perfekt über die «I Will Always Love You»-Hürde. Im Kino wird in diesem Moment das Publikum allein gelassen. Das Musical bringt aber alle – Hände in die Höh! – zum Tanzen.

Theater 11 Thurgauerstr. 7 Zürcher Premiere Mi 18.30 Uhr, Aufführungen bis 12.4. Di / Do / Fr 19.30 Uhr, Mi 18.30 Uhr, Sa 15 und 19.30 Uhr, So 14 und 18.30 Uhr Eintritt 50 bis 160 Frankenwww.musical.ch

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Bodyguard – Das Musical

Musical Das Schönste an dieser Produktion ist, dass niemand so richtig beschädigt wird. Wer irgendwann mal tot war, erstochen oder erschossen, steht für den Schluss wieder auf und singt mit all den anderen: «I Wanna Dance with Somebody» – und sogar der Bösewicht trägt jetzt ein Lächeln im Gesicht. Wir sehen: Die Geschichte vom Bodyguard, der eine Diva mit seinem ­Körper auf ihrem Weg zum Ruhm vor einem ­Stalker beschützt, hat in einem Musical nicht die gleichen Konsequenzen wie im Film. Oder ist einfach weniger komplex. Regisseurin Thea Sharrock, die diese «Bodyguard»-­Adaption auf die Bühne gebracht hat, setzt auf ganz grosse Gefühle und grosse Hits – und viel Spass ist auch dabei.

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