Zum Hauptinhalt springen

Schau mich an!

Die Performerin Teresa Vittucci macht sich Gedanken über Voyeurismus in multimedialen Zeiten. Für uns hat sie sich mitten in Zürich ausgestellt.

Am Helvetiaplatz bedient Teresa Vittucci die Schaulust der Passanten.
Am Helvetiaplatz bedient Teresa Vittucci die Schaulust der Passanten.

Teresa Vittucci zündet eine Glitzerbombe. Sie sitzt mitten auf der Fussgängerinsel beim Helvetiaplatz, die Blicke der Passanten auf sich gezogen. Es ist ihre Einleitung, um mit uns mitten im Kreis 4 über das Thema zu sprechen, das sie aktuell am meisten beschäftigt: sehen und gesehen werden. Wer von unserer Gesellschaft nicht wahrgenommen werde, existiere für diese nicht, sagt die Choreografin und Tänzerin: «Die Schau- und Zeigelust in uns ist eine Überlebensstrategie.»

Wenig später beim Bermudadreieck an der Langstrasse: Vittucci erzählt von ihrem aktuellen Stück. In «All Eyes on», das sie im Rahmen des Festivals Zürich moves! zeigt, tanzt und singt sie zeitgleich für ein Publikum im Theater und eines im Chatraum. Die Chatverläufe singt sie. Reaktionen und Kommentare aus dem Netz macht sie damit live erlebbar. Auch zu ihren Proben schalten sich Menschen aus aller Welt zu. Sie posten, was sie über Vittuccis Performance denken und was sie sich ­wünschen. «Das sind Gedanken, die ich beim Theaterpublikum sonst nur erahnen kann», sagt Vittucci bei einem Kaffee im Casablanca.

Die österreichische Choreografin lebt seit einem Jahr in Zürich. Wir seien heute nicht mehr nur real an einem Ort, sagt sie. «Wir sind gleichzeitig in vielen virtuellen Räumen präsent, in sozialen Netzwerken, Foren und auf Plattformen im Netz.»

Kurz darauf entdeckt Vittucci auf Instagram ein Foto: Künstlerin und Journalistin, beim Fotoshooting an der Langstrasse – gepostet von einer Passantin. Es waren also nicht nur Augen, die auf der Strasse aufs Geschehen gerichtet waren. «In der virtuellen Welt sind wir eigentlich immer präsent, als Repräsentation von uns selbst, wie Avatare. Auch dort wollen wir, wie in der physischen Welt, gesehen werden.» Laut Britney Spears’ Song «Circus» gebe es diejenigen, die unterhielten, und diejenigen, die dabei zuschauten, sagt die 32-Jährige.

Ein Spannungsverhältnis, das die Tänzerin fasziniert: «Wir setzen uns im jeweiligen Kontext in Szene, spielen uns selbst.» Vittucci wiederum spielt mit diesem Sehen und Gesehenwerden. Denn nur wenn es ihr gelingt, dass alle Augen im Theater und auf den Bildschirmen auf sie gerichtet bleiben, funktioniert ihre Performance – sei dies real oder im World Wide Web.

ZÜRICH MOVES!

Festival für zeitgenössischen Tanz und Performance Di 14. bis Sa 18.3.www.zurich-moves.com

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch