Schnee in der Hose

Drastik und Empathie gehen in den Romanen von Ottessa Moshfegh eine verstörende Verbindung ein.

Ottessa Moshfegh weiss um unsere dunklen Seiten.

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Eileen Dunlop ist 24 Jahre alt und unsichtbar. Von aussen muss sie wie eine graue Maus wirken, eine alte Jungfer, die brav auf ihren alkoholkranken Vater aufpasst. Doch von innen sieht die Sache ganz anders aus. Die junge Frau führt einen grausamen Kampf um Kontrolle über ihre Welt und ihren Körper. Sie isst kaum und spült ihre Eingeweide mit Abführmitteln durch. Sie stalkt ihren Arbeitskollegen Randy und stopft sich Schnee in die Unterhose, wenn die sexuelle Erregung überhandnimmt. Dabei registriert sie absolut alles, was um sie herum geschieht, und fällt harte Urteile über ihre Mitmenschen; in ihren Augen so groteske Kreaturen wie sie selbst. Bis die selbstbewusste Rebecca auftaucht und ein Höllentrip beginnt.

Drastik und Empathie gehen in den Romanen von Ottessa Moshfegh eine verstörende Verbindung ein. Das hat die 1981 geborene Amerikanerin, Tochter einer kroatischen Bratschistin und eines persischen Geigers, schon in ihrem Erstling «McGlue» (2014) gezeigt, der Geschichte eines wüsten Seemanns mit Gedächtnisschwund. Das Faszinierende an «Eileen» ist, wie Moshfegh ihren Noir-Thriller mit einer hoch­literarischen Sensibilität für die monströsen ­Seiten des Menschseins zum Glühen bringt: ?Das Buch kann einen das Gruseln lehren. (loe)

Dienstag, 19.30 Uhr, Literaturhaus. (Zueritipp)

Erstellt: 14.09.2017, 11:03 Uhr

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