So klingt Schwamendingen im Jahr 2050

Das Musiktheater «Dietegen» katapultiert die Erzählung von Gottfried Keller ins Jetzt. Bruno Spoerri schrieb die Musik.

Liebe am Abgrund: Dietegen (Gian Leander Bättig) und seine Frau (Yael Meier).

Liebe am Abgrund: Dietegen (Gian Leander Bättig) und seine Frau (Yael Meier).

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Er habe neues Material mitgebracht, sagt Bruno Spoerri vor der Probe, man könne die Musik jetzt gleich ins Stück einbauen. Super, da steht «Dietegen», das Musiktheaterprojekt von Mathias Spohr über Gottfried Kellers Novelle, kurz vor der Premiere – und manches tönt schon wieder ganz anders. Das ist aber gerade die Spezialität des Jazzers und Klangtüftlers Spoerri: Er macht Sachen, die andere nicht tun würden.

Zum Beispiel: Er hat Musik für Presslufthämmer komponiert (mit dem EMS Synthi VCS-3). Oder eine elektronische Ländlerplatte produziert. Dazu recht komische Filme vertont, wie «Teddy Bär» von Rolf Lyssy. Bruno Spoerri, Jahrgang 1935, probierte auf allen Gebieten immer wieder Neues aus. Nur mit dem Theater funkte es bisher nicht so recht. «Meine einzige selbstständige Musik für das Zürcher Schauspielhaus wurde im letzten Moment gestrichen, da der Autor in der Hauptprobe erklärte, dass er keinerlei Musik wolle», sagt Spoerri.

Das kann ihm mit «Dietegen» nicht passieren. Denn erstens ist Gottfried Keller, dessen 200. Geburtstag mit diesem Stück gefeiert wird, schon lange tot. Und zweitens trägt diese Musik die Geschichte des Knaben, der, weil unprofessionell gehängt, vom Galgen zurück in das Leben fiel und zum Feldhauptmann wurde, aus der Vergangenheit in die Zukunft: Spoerri hat quasi die kellersche Welt ans Schweizer Handynetz angeschlossen. So hören wir, wie Schwamendingen im Jahr 2050 tönt.

Eine Katastrophe ist passiert, im Hintergrund ist das tiefe Brummen der Stromgeneratoren zu hören. Akustische Instrumente gibts in dieser Zeit nicht mehr viele, die Menschen machen mit ihren Smartphones die Musikbegleitung selber. Die Bilder zum apokalyptischen Szenario liefert der Filmemacher Ivan Engler. Und so sehen wir, wie «Dietegen» aus der Ego-Shooter-Perspektive aussieht.

Mo 9.9. bis Mi 11.9. — 19:30 Uhr
Tonhalle Maag
Zahnradstr. 22
Eintritt 40 Franken
Auch Do 12.9.
www.tonhalle-maag.ch

Erstellt: 05.09.2019, 10:34 Uhr

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