«Soll man die Natur in Ruhe lassen?»

Der Zürcher Stephan Pörtner hat «Der Wolf im Sihlwald» geschrieben – und machte aus dem Aufführungs- auch gleich den Tatort.

Der Polizist (2 v.r.) hat eigentlich genug eigene Probleme, jetzt muss er auch noch einen Mord aufklären.

Der Polizist (2 v.r.) hat eigentlich genug eigene Probleme, jetzt muss er auch noch einen Mord aufklären.

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Sie haben schon viele Krimis verfasst, die alle in Zürich spielen. Was reizt Sie an diesem Genre?

Der Krimi gibt einem die Gelegenheit, neben dem Plot auch von einer Welt zu erzählen, welche die Menschen sonst kaum interessiert. Vor Ewigkeiten habe ich schon über den Kreis 4 und die Langstrasse geschrieben. Aber inzwischen schreibe ich mehr und erlebe weniger und muss deshalb Themen ­suchen. Unterdessen recherchiere ich viel. Wie zum Beispiel beim neuen Stück für das Open-Air-Theater im Wildnispark Sihlwald.

Worum geht es in «Der Wolf im Sihlwald»?

Es ist natürlich ein Krimi: Der abgehalfterte Kommissar Henry Kummer lebt illegal auf dem Campingplatz und wird Zeuge eines Mords. Dieser Geschichte kann das ­Publikum folgen. Das Stück setzt sich aber auch mit realen Problemen ausein­ander. Es wirft die Frage auf, wie man mit der Natur umgehen soll. Soll man sie nutzen oder in Ruhe lassen? Das sorgt natürlich für Konflikte, die im Stück tödlich enden.

Welche Position vertreten Sie?

Ich brauche weder Parkplatz noch Souvenirstand im Wald. Aber ich möchte alle Positionen und Widersprüche aufzeigen. Ich mag es, wenn bei Krimis nicht ganz klar wird, wer richtig und wer falsch liegt. Schliesslich bin ich Schriftsteller und nicht Lehrer.

Henry Kummer hat keine Wohnung mehr, ein Verfahren am Hals und seine Autorität verloren. Ausserdem nehmen ihn seine Kollegen nicht mehr ernst. Wieso haben eigentlich so viele Krimi-Polizisten private Probleme?

Es macht die Figuren interessant. Mit dem Supercop, der alles kann und weiss, können sich die Leute nur schwer identifizieren. Auch in der Realität ist der Job schwierig: Die Polizisten denken ständig über ihre Fälle nach und können schwer abschalten. Aber vielleicht ist es auch so, dass viele Krimiautoren die gleichen Probleme wie ihre Figuren haben.

So wie Sie?

Nein. Was aber ähnlich ist: Ich arbeite oft alleine und halte mich am Rande der Gesellschaft auf. Dieser bin ich oft ein wenig suspekt. Und ausserdem nimmt man nur meine Erfolge wahr. Ich habe auch schon ein Jahr lang an einem Roman geschrieben und ihn dann doch nicht veröffentlicht. Auch ein Kommissar weiss nie, ob er einen Fall lösen kann.

Do, So, Mi 20 Uhr

Sihlwald Besucherzentrum, Alte Sihltalstr. 13, www.turbinetheater.com

Eintritt ab 38 / 25 Franken (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2017, 14:35 Uhr

Stephan Pörtner

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